Über das Thema „Eichsfeld“ könnte man viele Bücher schreiben. Eine Region in Thüringen und Niedersachsen, die wie keine andere von katholischen Traditionen geprägt ist. Wallfahrten, Prozessionen und ein sehr aktiver Glaube prägten den Landstrich seit Generationen. Auch die 40 Jahre DDR konnten daran im Osten nicht viel ändern. Über 300 mögliche Wallfahrtsziele warten auf ihre (Wieder)-Entdeckung!

Burg Hanstein – Das Wahrzeichen des Eichsfelds

Auf knapp 400 m ü. Null liegt die Burg, die zu einer der größten Burgruinen Mittelsdeutschlands zählt. Von der Burg führt ein Wanderweg zur Gemeinde Bornhagen, weiter über den Göbelskopf nach Hohengadern (Thüringen) und dann nach Niedergadern (Niedersachsen). Ein anderer Wanderweg führt nach Werleshausen (Hessen) und zur Burg Ludwigstein. Dieser Weg ich auch Jakobsweg! Auf einer Tageswanderung können somit drei Bundesländer erwandert werden. Eine Wanderung mit viel deutsch-deutscher Geschichte. 

Heilbad Heiligenstadt – Die Kreisstadt im Eichsfeld

Die Stadt liegt sowohl am Pilgerweg Loccum-Volkenroda, als auch am Jakobsweg. Beide führen die Pilger auf wunderbaren Wegen durch die Landschaft des Eichsfelds. Die aufwendigen Wegemarkierungen des Jakobswegs sind leider noch nicht vollständig. Im Endausbau sollen die Jakobspilger auf zwei verschiedenen Pfaden durch das Eichsfeld geführt werden. Derzeit stehen die schönen Wegsteine von Heilbad Heiligenstadt bis zur Landesgrenze Thüringen/Hessen. Die Markierungen des Pilgerwegs Loccum-Völkenroda sind vollständig.

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Hülfensberg – Franziskaner in Thüringen

Der Berg mit seinen fast 450 Metern kann von vielen Orten des Eichsfelds erwandert werden. Das Kloster ist der älteste und bekannteste Wallfahrtsort des Eichsfelds. Erst seit der Wende kann das Kloster wieder „erpilgert“ werden. Das Koster lag über Jahrzehnte im Sperrgebiet.

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Etzelsbach – Der Ort des Papstbesuches

Der Pilgerort ist bekannt für seine „Pferdewallfahrt“ anlässlich des Festes „Maria Heimsuchung“. Seine Bekanntheit wurde jedoch am 23. September 2011 mit dem Besuch von Papst Benedikt XVI nochmals gesteigert. Auf dem Feld vor der Kirche versammelten sich gut 80.000 Pilger zu einem Gottesdienst. Der Ort ist über folgende Fußpilgerweg zu erreichen: St. Joachim-, Kilian-, Benno-, Franziskus-, Elisabeth-, Johannes-, Anna-, Martin-, Barbara-, Bonifatius- und Lioba-Weg!!!! Ob Nord, ob Süd, ob West oder Ost….  Etzelsbach kann also gut erwandert werden!

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Worbis und der Lutherweg

Auch diese Stadt hat eine Wallfahrtstradition. Anziehungspunkt ist die St.-Antonius-Kirche mit dem barocken Hochalter. Für „modernere Pilger“ wurde ein rund 18 Kilometer langer „Lutherweg Leinefelde-Worbis“ angelegt. Dieser führt durch Leinefelde, Worbis, Kirchohmfeld und Kaltohmfeld.

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Vom Dom des Eichsfelds in Effelder über das Koster Zella nach Legenfeld (Mein Wandertipp!)

Ausgangspunkt der Wanderung ist die Kirche von Effelder, die den schönen Beinamen „Dom des Eichsfelds“ trägt.

Hier fürt ein rund 5 km langer Wanderweg über Annaberg (ebenfalls ein Wallfahrtsort) zum Kloster Zella. Es wird von einer Klostergründung um 1100 ausgegangen. Es war ein Doppelkloster (Männer und Frauen) des Benediktinerordens. Heute wird es als Alten- und Pflegeheim der ev. Kirche genutzt. Hier findet man auch Markierungen des Pilgerwegs Loccum-Völkenroda, von dem eine Alternativroute über das Kloster führt.

Vom Kloster führt nun ein Wanderwerg nach Lengenfeld unterm Stein. Ein Paradies für Eisenbahnfans. Die alte Eisenbahnbrücke kann mit Draisinen befahren werden. Für mich endete der Pilger-Tag an der Kirche „Mariä Geburt“. Hier im Eichsfeld werden die Pilgernden selten vor verschlossenen Kirchentüren stehen.

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Klüschen Hagis (sprich: Klüs’chen – kleine Klause des Hagens)

Das Kirchlein liegt zwischen Wachstedt und Martinfeld bei Dingelstädt, unweit der Burg Gleichenstein. Hier sind an jedem Sonntag zwischen 500 und 1000 Pilger anzutreffen. Jeden Himmelfahrtstag gibt es die große Männerwallfahrt. Ich erwanderte die Kirche von Martinsfeld auf einem sehr schönen Wanderweg!

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Der Mittelpunkt Deutschlands?

In der Gegend wird man auf viele Orte treffen, die sich der „Mittelpunkt Deutschlands“ nennen. Ich erklomm den rund 500 Meter hohen „Gipfel von der Gemeinde Flinsberg aus. Auch hier gibt es verschiedene Wege, die alle auf den Berg führen.

 

Es war für mich nur ein kleiner Ausflug in eine nicht so bekannte Gegend in Thüringen. Interessant waren die vielen Geschichten der Einheimischen über die nicht ganz einfache Zeit in der DDR, die harten Jahre nach der Wende und die Arbeit daran, die katholische Tradition an die Kinder weiterzugeben. „Neunundneunzig Prozent gingen zur Firmung und nicht zur Jugendweihe! – Auch mit etwas Protest gegen die DDR!“ – Eine Gegend, die ich wohl noch öfter besuchen werde….