Óla! (zu Deutsch: Hallo!)

Ich heiße Olivia und bin 25 Jahre alt. Für meine diesjährigen Sommer-Semesterferien habe ich mir etwas ganz Besonderes ausgedacht. Nach langem Hin und Her überlegen, was wohl das Beste für mich sei, nach einem langen Kräfte zehrenden Jahr wieder neue Energie zu tanken, traf es mich wie aus heiterem Himmel. Wo kann ich Sport, Natur, inspirierende Gespräche, gutes Essen und Trinken, Spiritualität und v.a. Zeit für mich vereinen?

Na klar – Der Jakobsweg! Selten, in meinem noch so jungen Leben, war ich so glücklich und erfüllt, als ich vor 5 Jahren losstartete und den Camino Francés als meinen persönlichen Weg zum Glück erklärte.

©wandern.de/Olivia

Welche Caminos gab es denn noch zu entdecken? Da gäbe es schon noch einige. Allein in Spanien z.B. den Camino del Norte oder den Camino Primitivo. Aber schon wieder Spanien? Schnell war klar: Für mich sollte es aber danach nicht nach Hause, sondern weiter, tiefer in ein mir ganz neues Land gehen. Portugal. Ist doch aufregend ein Land im Schritttempo kennenzulernen.

So entschied ich mich, in 2 Tagen mit dem Bus von München nach Porto zu fahren (29.-30. Juli) und auf dem Caminho Português zu pilgern.

„Unsere Pilgerreisen auf dem Caminho Português“  hier

Porto

  1. Juli

Am darauffolgenden Tag wurde Porto, mein Startpunkt, ohne Rucksack, aber dafür mit Wanderschuhen erkundet. Porto- ein Must-Visit auf jeder Portugal Reise. Die Stadt ist ähnlich aber kleiner als ihre große Schwester Lissabon. Aber eben auch süßer, gemütlicher, und gut zu Fuß begehbar.

Die portugiesische Sprache, die Gerüche nach frischem Gebäck (unbedingt Pasteis de Nata ausprobieren!!) und die ganze Stadt verzierenden blauen Kacheln regten in besonderem Maße meine Sinne an. Wirklich bezaubernd.

Auf dieser Tour holte ich mir noch meine „Credencial“, den Pilgerausweis, in dem man die Stempel auf dem Weg sammelt,  in der Kathedrale, dem Startpunkt, ab.

Porto-Labruge

  1. August

Am nächsten Tag, ganz früh morgens ca. 6:00 Uhr machte ich mich auf den Weg. Noch ziemlich müde und etwas unbeholfen versuchte ich den Weg aus der Stadt herauszufinden. Sollte eigentlich ganz leicht sein, man muss ja „nur“ den gelben Pfeilen folgen. So steht es jedenfalls in jeder „Pilgerbibel“ geschrieben. Da waren aber keine gelben Pfeile und auch keine sonst sehr hilfsbereiten Portugiesen.

Ich habe mich entschieden, am Ufer der Meerzunge entlang zu gehen, nur war da leider alles voller Nebel so früh morgens. Naja, nach intensivem Lesen meines Pilgerführers und umherirren habe ich nach etwa 1,5 Stunden den Weg aus der Stadt gefunden.

Am Meer auf Stegen entlang durch einzelne Fischerdörfchen zu wandern war für mich eine ganz neue Pilgererfahrung.

Nach etwa 23 km erreichte ich meine erste Herberge in dem kleinen Ort: Labruge.

Labruge-Rates

  1. August

Am Morgen des zweiten Tages habe ich mich zunächst allein, nach kurzer Zeit aber dann mit  meiner frisch auserkorenen Jakobsweg Freundin auf den Weg gemacht, die ersten 10 km weiterhin entlang der Küste, bis Vila da Conde zu bestreiten. Hier in dieser Stadt hat man die Möglichkeit sich zu entscheiden, entweder den Küstenweg weiter zu gehen oder querfeldein auf den Traditionellen Jakobsweg zu treffen, der in der Mitte des Landes bis zur Spanischen Grenze verläuft. Dort, in Tui, treffen beide Wege wieder zusammen und vereinen sich zum Hauptweg nach Santiago de Compostela.

Bis heute wissen wir beide nicht, was uns dazu gebracht hat unseren eigentlich geplanten Weg an der Küste zu verlassen, sondern spontan unserem Bauchgefühl zu folgen und den Landesweg zu wählen.

Welcher jetzt schöner ist, darüber kann man sicherlich diskutieren. Klar war jedoch, dass wir eine Stunde später die Dritte im Bunde begrüßen durften. 😉

Weg von der Küste, dem rauen aber beeindruckenden Atlantik, rein in die Stille der Natur war für uns alle eine willkommene Abwechslung.

So ging es über Kopfsteinpflaster, durch romantische Bauerndörfer, Weinanbaugebiete, Wälder und Naturparks und ein gegen Ende dieser Etappe etwas längeres Stück an einer wenig befahrenen Straße entlang bis zu unserem nächsten Ziel: Rates.

©wandern.de/Olivia

Rates-Barcelos

  1. August

Ab Rates führt der Weg durch eine neblige Moorlandschaft, romantische Waldwege und kleine toskanisch aussehende Dörfchen. Links und rechts wachsen einem Weintrauben,  Zitronen und Orangen glatt in den Mund. Oftmals wird man von sehr freundlichen Bauern angehalten, um den ein oder anderen selbstgemachten Wein/Schnaps/Likör zu verkosten. So lässt es sich gleich besser pilgern ;). Aber Achtung!! Versackungsgefahr!

Unsere Etappe endete an diesem Tag in Barcelos, ein wunderschönes Städtchen am Ufer eines eiskalten Flusses. Perfekt für die müden Pilgerfüße.

Barcelos-Irgendwo im Nirgendwo

  1. August

Weiter ging es, diesmal etwas hügeliger aber nicht dramatisch, tiefer in die einzelnen Weinanbaugebiete an vereinzelten Flüssen und kleineren Wasserfällen vorbei. Zu viele Pausen wollten wir aber nicht machen, da wir ein besonderes Ziel hatten. Mama wartet nämlich auf uns! Mit Mama meine ich Fernanda. Einer meiner absoluten Highlights auf dem Camino. „Casa Fernanda“ hat schon Kultstatus auf dem Camino und ist so in jedem nationalen UND internationalen Reiseführer gleich zu allererst aufgeführt. So sind wir einfach der Nase nach, direkt in ihren Garten mit eigens umgebauter Hütte. Auf uns und etwa 8 anderer Pilgerfreunde wurde bereits gewartet. Wir wurden verköstigt und verarztet und hatten einfach eine tolle Zeit in ihrem Garten.

Casa Fernanda-Ponte de Lima

  1. August

Rein landschaftlich bestimmt einer der schönsten Etappen. Mit Rosen überwucherte Ruinen in mitten von märchenhaften Wäldern. Ein Paradies für Tiere. Hin und wieder trifft man auf Schafhirten oder Pferdekutschen.

Ponte de Lima ist ein, im Vergleich, recht teures Pflaster. Das Abendprogramm ist leicht gewählt bei den vielen kleinen Bars, Kneipen und Restaurants. Man sollte sich hier definitiv gut stärken, denn die nächste Etappe wartet schon…

©wandern.de/Olivia

Ponte de Lima-Rubiás

  1. August

…und zwar mit einem Berg, der es tatsächlich in sich hat. Hier bleibt kaum Luft zu ächzen J. Dennoch habe ich mir unnötig Sorgen um den Abstieg und um meine Knie gemacht. Nur sollte man hier etwas auf die müden Beine Acht geben wegen des Kopfsteinpflasters und der Umknickgefahr. So anstrengend der Berg, so erleichtert und stolz ist man dann, wenn man endlich angekommen ist. Glücksgefühl pur auf dem Caminho Português!

Rubiás-Tui

  1. August

Was für ein bedeutender Tag. Spanien wartete nämlich auf uns.

Unser Tagesetappenziel, Tui, ist zum einen die, wie oben bereits beschrieben, Zusammenführung der beiden Wegalternativen, und zum anderen der Startpunkt für weit mehr Pilger, v.a. Spanier.

Ich weiß, ich wiederhole mich, aber diese Etappe ist wirklich etwas ganz Besonderes. Lange wandert man einfach nur so auf Feld und Waldwegen und nur hin und wieder führt einen der Weg durch ein Dörfchen. Immer in den genau richtigen Kaffeepausen-Abständen. J

Die letzten Kilometer ist man nur in Valença und Tui unterwegs – beide Städte liegen genau hintereinander – und so hat man genügend Zeit seine Nase an den so zahlreichen Schaufenstern plattzudrücken.

Tui- Mos

  1. August

Der Weg von Tui bis zu unserem Etappenziel ist zweigeteilt. Zunächst geht man im oder am Wald auf breiteren Fußwegen, vom Rauschen der Bäche begleitet, entlang. Leider hört dieses schöne Stück schon nach etwa 15 km auf und man befindet sich in einem recht langgezogenen Industriegebiet, das sich dann in der Industriestadt O Poriño verläuft. Nicht sehr attraktiv, das muss ich zugeben. Zähne zusammenbeißen, heißt es, und sich durch den Stadtdschungel durchkämpfen. Wer hier seine Wanderstöcke bereit hält, kann sie ja in Gedanken als Säbel verwenden J.

©wandern.de/Olivia

Mos– Pontevedra

  1. August

Ein Mammutprogramm stand auf unserer „To-Do Liste“. Wer es etwas intelligenter angehen will, dem ist geraten in Redondela zu bleiben oder zumindest dort eine lange Pause einzulegen J. Landschaftlich im Vergleich um Welten besser als der Vortag, da man ein gutes Stück an einer Meereszunge entlang wandert und die kühle Brise sehr willkommen ist. Achtung!! Ab Pontevedra wird es merkbar mehr an Pilgern, die wie ich auf dem Caminho Português unterwegs ist – aber um diese Zeit ist ja auch die „Hauptsaison“ für spanische und protugiesische Jakobsweg Pilger…

Pontevedra lädt sehr zum abendlichen flanieren ein und ein Restaurant nach dem nächsten wartet nur darauf dem Pilger die Spezialitäten des Landes auf köstlichste Weise näherzubringen.

Pontevedra – Caldas de Reis

  1. August

Was tun wenn man ein wenig über seinen Durst getrunken hat? Richtig! Die Etappe von Pontevedra bis Caldas de Reis wandern.

Hier lässt es sich schön auskatern zwischen all den Frischwasser-Quellen und den so lieben Spaniern, die dich zu sich nach Hause einladen und mit Schokolade und Espresso versorgen.

Die Kühle und Stille des Waldes war uns immer willkommen, nachdem wir einen Nachmittag/Abend in einer Stadt verbracht haben.

Caldas de Reis – Padrón

  1. August

Wow! Was für ein Anblick! Das Franziskanerkloster von Hebrón (Padrón) . Gelegen in unbeschreiblich schöner Landschaft, umgeben von Wäldern, Flüssen und Weingebieten. (Die wussten wo es am schönsten ist 😉 )

Ich kann nur jedem ans Herz legen, dort am Gottesdienst teilzunehmen.

Gemeinsam mit den anderen Pilgern hat man sich so schon seelisch darauf einstellen können am nächsten Tag am Ziel der Reise anzukommen. Santiago de Compostela. So nah und doch so fern. Übernachtung in Padrón.

Padrón – Santiago de Compostela

  1. August

Man kann dieses Gefühl nur schwerlich beschreiben. Der letzte Tag ist etwas ganz Besonderes.

©wandern.de/Olivia

Rein landschaftlich kann man diese Etappe nicht mit den vorangegangen vergleichen, da es mehr und mehr vorstädtischer wird, der Jakobsweg an sich aber weiterhin sich recht schön seinen Weg durch die Natur bahnt.

In Santiago erwarten einen zur Hauptsaison viele, viele Menschen. Pilger und Touristen von nah und fern sitzen, stehen oder liegen auf dem Platz vor der Kathedrale, dem Zielort. Ein Ballungsort der Emotionen!

Von hier aus kann man sich nun entscheiden auf was man Lust hat und wie man sich und alle anderen feiern will. Still einer Messe beiwohnen? Kneipenhumpeln? Fressgelage? Schlafen? Bitte einmal alles für mich!

©wandern.de/Olivia

Dies meine Impressionen zu meiner Pilgerreise auf dem Caminho Português  – Bis zum nächsten Mal!

Buen Camino!

Olivia G.

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