Alexander Bürger

1. Oktober 2018 | Von in Jakobswege/Pilgerreisen

Über 15.000 km auf Jakobswegen und Pilgerwegen durch Europa und die Welt

 

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Nach vielen Reisen auf allen Kontinenten suchte ich 2007 eine neue Erfahrung. Ferne Länder waren mir inzwischen bekannt. Warum nicht den Camino Francés nach Santiago de Compostela pilgern? Eine Idee, die mich nicht mehr losließ. Keine 300 km pro Tag mit Bus oder Auto, nein – 25 km pro Tag – zu Fuß!
Die ersten Schritte auf dem berühmtesten Jakobsweg empfand ich als anstrengend. – Aber eben nur die ersten Schritte. – Der Körper gewöhnte sich sehr schnell an seine Tagesaufgabe und es setzte ein Gefühl von Freiheit und Glück ein. Das Lebensnotwendigste auf dem Rücken, wenig Luxus, aber sehr viel Unabhängigkeit. Ein einfaches Leben, aber ausgefüllt von Unterhaltungen mit Menschen am Weg und Menschen auf dem Weg.
Wieder Zuhause angekommen, konnte ich mich nicht damit abfinden, dass dieses Leben nun zu Ende sein sollte. Zurück in eine Welt von Konsum, Oberflächlichkeit und Hektik?

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Auf dem Jakobsweg von Penzberg nach Mittenwald

30. September 2018 | Von in Deutschland, Jakobswege/Pilgerreisen

Drei Tage auf dem „Jakobsweg Isar-Loisach-Leutascher Ache-Inn“ von Penzberg nach Mittenwald

Tag 1: Als Ausgangspunkt für unsere Pilgerschaft wählten wir die Moschee von Penzberg. Diese wurde vom Augsburger Architekten Alen Jasarevic entworfen und wird oft als Vorbild für neue Moscheen in Europa gesehen. Die Bergarbeiterstadt Penzberg liegt nicht direkt am Jakobsweg, hat aber einen Bahnanschluss.

Rund einen Kilometer nach der Moschee trifft man auf eine Markierung des Jakobswegs. Eine kleine Schlaufe führt zur Kapelle Schönmühl, die direkt an der Loisach gelegen ist. Ein erster Platz für eine Atempause.

Neben der Straße geht es nun weiter nach Bichl mit seiner schönen St. Georgs-Kirche. Diese wurde 1751/52 im Spätbarock vom Baumeister Johann Michael Fischer geschaffen. Die Deckenfresken und die Stuckmalerei machen sie zu einem Anziehungspunkt für viele Touristen.

Von Bichl sieht man schon das Kloster Benediktbeuern. Das Kloster ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner und heute eine Niederlassung der Salesianer Don Boscos. Der Ort ist mir sehr gut bekannt, da ich dort meine theologischen Prüfungen ablag. Wir verbrachten hier die erste Nacht auf unserer Pilgerschaft.

Tag 2: Wer verließen das Kloster am frühen Morgen und pilgerten auf wunderbaren Wegen, teils entlang der Loisach, nach Kochel am See. Der Weg ist vorbildlich markiert und bietet kurz vor Kochel am See sogar zwei Alternativen an. Beide sind gleich lang.

Wir erreichten Kochel am See mit seiner St. Michael-Kirche. Die typisch oberbayerische Gemeinde wird geprägt von bemalten Häusern, Blumenkästen an Fenstern und Balkonen und seiner barocken Kirchen. Auf zehn Fresken ist das Wirken des Erzengels Michael dargestellt. Erst nach dem Verlassen des Ortes gelangen die Pilger an den See. Wir hatten einen sehr heißen Tag im Sommer 2018. Ein kleines Bad im See spendete uns Erfrischung. Der Jakobsweg führt ein vielen öffentlichen Badestellen vorbei.

Seit Penzberg wanderten wir in Richtung Alpen. Sie kamen immer näher. Nun war der erste Bergpass zum Walchensee auf der alten Römerstraße zu bezwingen. Hier findet die Pilgerseele, was sie sucht. Unendlich schöne Landschaft, einen alten Pfad über den Berg, Gebirgsbäche und auch Schatten vor der Sonne. Angesichts der Hitze war es scheißtreibend, bis wir die Passhöhe von 859 m erreicht hatten. Nur noch wenige Meter und wir hatten den ersten wunderbaren Blick auf den Walchensee. Er ist einer der tiefsten und zugleich einer der größten Alpenseen Deutschlands. Nun ging es bis zum Ort Walchensee, wo wir auch nächtigten. In der Nacht setze Starkregen ein.

Tag 3: Nun war ein da – der Regen! Nach der Hitze des Sommers 2018 war es ein schönes Erlebnis. Der Jakobsweg führt weiter am Walchensee entlang. Das Wasser schimmerte grün und Regenwolken hangen an den Bergen.

Vorbei geht es am Jugendhaus Klösterl und auf Waldwegen und auch auf Teer immer weiter. Trotz Regen ein wunderschöner Tag. Das Nass verwandelte die Landschaft in malerische Farben und die Luft roch so unheimlich intensiv. Pilgern ist Wandern mit allen Sinnen. Dies wird gerade an Schlechtwettertagen zum Erlebnis.

Ein kleiner Wasserfall am Weg und es ging weiter nach Wallgau mit seiner St. Jakobus-Kirche. Der Regen hörte nicht auf und so bot die Kirche etwas Trockenheit. Erstmals im 8. Jahrhundert erwähnt, ist Wallgau heute eine touristische Gemeinde nahe der deutsch-österreichischen Grenze.

Weiter führte uns der Weg nach Krün zur St.-Sebastian-Kirche. Der Regen wurde immer stärker. Es war Zeit für die Mittagspause. In dieser Region findet der Pilgernde immer eine passende Gaststätte.

Jetzt folgte der unendlich schöne Weg nach Mittenwald. Es geht auf und ab durch sattgrüne Landschaft. Schließlich wird am Ortseingang von Mittenwald eine Infotafel über den Jakobsweg erreicht.

Das schöne Mittenwald mit seinen 7.500 Einwohnern ist Anziehungspunkt für Touristen aus der ganzen Welt. Ein Ort, der zum Verweilen einlädt. Das malerische Zentrum bietet viele Einkaufsmöglichkeiten. Hotels und Gaststätten sind in großer Zahl vorhanden. Mit der Bahn kann die Rückreise problemlos angetreten werden.

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, die ursprünglich gotisch gebaut wurde und um 1740 vom Wessobrunner Künstler Joseph Schmuzer barockisiert wurde, bildete das Ende unserer Pilgerschaft. Deckengemälde und Ausstattung stammten von Matthäus Günther. 

Eine Pilgerschaft durch Oberbayern. Wunderschön!!!

 


Jakobswegstationen in der Hohen Tatra (Slowakei)

29. September 2018 | Von in Europa, Jakobswege/Pilgerreisen

Ein Reise in die Hohe Tatra, dem kleinsten Hochgebirge der Welt – Für Westdeutsche noch ein Geheimtipp, für Ostdeutsche schon immer ein Traumziel.

Um einen ersten Eindruck von der Schönheit der Landschaft zu bekommen, ging es hinauf zum Hochplateau am Fuße der Lumnitzer Spitze (Lomnický štít). Von hier führen viele Wanderwege durch die einzigartige Landschaft. Der Gipfel liegt auf 2.632 m und kann ohne Bergführer erklommen werden. Allein die Wandermöglichkeiten in den Bergen der Hohen Tatra füllen schon einen ganzen Urlaub.

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Bei mir gibt es keinen Urlaub, ohne dass ich auch eine Pilgerschaft zu tätigen. Und auch hierzu eignet sich die Hohe Tatra. Gleich zwei Jakobswege führen durch diese Traumgegend. Auf der Burg Zips (Spišský hrad), der größten Burganlage der Slowakei, startete ich meine kleine Tour.

Der Weg führt zuerst von der Burg hinab in den malerischen Ort Spišské Podhradie. Infotafeln und gelbe Pfeile begleiten die Pilgernden sicher auf dem Weg. Vorbei an der Synagoge des Ortes geht es zu den Kirchen im Zentrum.

 

Vom Ort Spišské Podhradie geht es dann bergan nach Spišská Kapitula, wo die spätromanische Kathedrale des Hl. Martin das alles überragende Gebäude des Ortes ist. Sie ist mit anderen Sehenswürdigkeiten in der Gegend, wie auch der Burg Spišský hrad, Weltkultur- und Naturerbes der UNESCO. In der Touristen-Information kann man eine Kirchenführung auf slowakisch „kaufen“. Ausländische Besucher bekommen umfangreiches Informationsmaterial in Landessprache. 

Gleich hinter der Kathedrale führt der Weg zu einer kleinen Kapelle namens Sivá Broda. Kleine heiße Quellen umgeben die Kapelle. Ein wunderbarer, spiritueller Ort für eine Pause.

Tagesziel war nach rund 18 Kilometern die wunderbare Stadt Levoča. Sie hat rund 15.000 Einwohner und wurde wegen des gut erhaltenen Stadtzentrums 2009 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Sehenswert sind die evangelische Kirche, und natürlich die Jakobuskirche der Stadt.


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Ein zweiter Jakobsweg führt von Polen in die Slowakei. Das Rote Koster (Červený Kláštor), eine frühere Abtei ist die erste Anlaufstelle für Pilger, die aus Polen die Slowakei erreichen. Es liegt an der Mündung des Lipník in den Dunajec im Pieninengebirge. Das Wort „Rotes Kloster“ stammt von der Dachfarbe der Gebäude und steht nicht für eine kommunistische Lehranstalt.

Der Ort ist vor allem Ausgangpunkt für Floss-Fahrten – Eine touristische Attraktion in der ganzen Slowakei. Dieser Tag war für mich keine Pilgerschaft, sondern nur eine Besichtigung von wichtigen Orten des Jakobswegs, der aus dem Norden kommt.

Ein weiteres Highlight ist die die Stadt Kezmarok. Käsmark (deutscher Name) wurde im 13. Jahrhundert von den Zipser Sachen als deutschen Siedlung gegründet. Heute hat die Stadt rund 17.000 Einwohner. Das historische Zentrum lädt zum Bummeln ein.

Für Pilger ist die alte evangelische Holzkirche von Kežmarok wohl eine Pflichtbesichtigung. Sie ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Die Kirche ist nahezu komplett aus Holz gebaut. Sogar ihre Nägel wurden aus Holz hergestellt. Führungen können gebucht werden. Gleich daneben steht die neue evangelische Kirche.


Ich werde wieder kommen und mehr Zeit mitbringen.

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Hohe Tatra – Ein Traum zum Wandern und Pilgern!



Pilgerwanderung: Wallfahrtsregion Eichsfeld

26. Juli 2018 | Von in Deutschland, Jakobswege/Pilgerreisen

Über das Thema „Eichsfeld“ könnte man viele Bücher schreiben. Eine Region in Thüringen und Niedersachsen, die wie keine andere von katholischen Traditionen geprägt ist. Wallfahrten, Prozessionen und ein sehr aktiver Glaube prägten den Landstrich seit Generationen. Auch die 40 Jahre DDR konnten daran im Osten nicht viel ändern. Über 300 mögliche Wallfahrtsziele warten auf ihre (Wieder)-Entdeckung!

Burg Hanstein – Das Wahrzeichen des Eichsfelds

Auf knapp 400 m ü. Null liegt die Burg, die zu einer der größten Burgruinen Mittelsdeutschlands zählt. Von der Burg führt ein Wanderweg zur Gemeinde Bornhagen, weiter über den Göbelskopf nach Hohengadern (Thüringen) und dann nach Niedergadern (Niedersachsen). Ein anderer Wanderweg führt nach Werleshausen (Hessen) und zur Burg Ludwigstein. Dieser Weg ich auch Jakobsweg! Auf einer Tageswanderung können somit drei Bundesländer erwandert werden. Eine Wanderung mit viel deutsch-deutscher Geschichte. 

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Jakobsweg Mallorca

26. Oktober 2017 | Von in Jakobswege/Pilgerreisen

Gibt es auf Mallorca einen Jakobsweg? JEIN – Auf einer deutschen Mallorca-Homepage (Mallorca-erleben.inf0) fand ich einen Artikel über einen Jakobs-WEG, der jedoch (noch) nicht mit Muscheln markiert ist. Ich hatte im Oktober noch etwas Urlaub und wollte diesen Wegvorschlag testen. Zum Wandern und Pilgern ist gerade der Spätherbst auf der Balearen-Insel vorzüglich geeignet.

Start ist die Einsiedelei St. Honorat am Heiligen Berg. Dort kann man sich auch den Pilgerausweis für die Reise nach Santiago de Compostela ausstellen lassen.

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Eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht möglich. Ich fuhr mit dem Bus bis Llucmajor und wanderte entgegen der eigentlichen Laufrichtung des Jakobswegs zur Einsiedelei/zum Kloster. Ein wunderbarer Aufstieg…   Das Kloster kann nicht besichtigt werden, jedoch steht die kleine Kirche den Besuchern und den Pilgern offen.

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Pilgerwandern im Iran – Spirituelle Orte im alten Persien

12. Oktober 2017 | Von in Jakobswege/Pilgerreisen

Ein Reisetraum wurde für mich wahr!

Das schöne alte Wort PERSIEN klingt wesentlich mehr nach Traumland als der neuere Staatsname IRAN. Meist beginnt eine Iran-Reise in der Hauptstadt Teheran (persisch: تهران Tehrān). Der Flug dauert unwesentlich länger als zu den Kanarischen Inseln. Seit Aufhebung der UN-Sanktionen sind Reisen nach Iran/Persien wieder stark im Kommen. 

Revolutionsplatz und Azadi-Turm gehörten neben den Museen zum Pflichtbesichtigungsprogramm der Stadt. Hierfür reichen ein bis zwei Tage, denn die Stadt mit ihren 20 Millionen Einwohnern ist relativ jung. Das alte Persien liegt wesentliche südlicher im Iran.

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Shikoku-Pilgerweg Japan

10. Juni 2017 | Von in Jakobswege/Pilgerreisen

Jakobsweg auf Japanisch?

Bereits bei meiner ersten Pilgerschaft 2007 am Camino Francés erzählte mir ein Japaner von einem Pilgerweg in Japan. Dieser sei älter als der Jakobsweg in Spanien. Er habe ihn nach seinem Ruhestand gepilgert und sei nun hier in Spanien unterwegs. Auch in den Herbergen in Spanien sah ich öfter Aufkleber „Walking for Shikoku 88 temples“ JAPAN.

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Es gingen viele Jahre und Wegekilometer bei mir ins Land…. 2017 sollte nun endlich meine erste Pilgerschaft „außerhalb des christlichen Glaubens“ stattfinden. Ausgerüstet mit Landkarte, Reiseführer und schnell angelernten 500 Wörtern Japanisch startete ich Ende April das Abenteuer Shikoku.

Der Legende zufolge soll der buddhistische Mönch Kukai (774-835) selbst den Pilgerweg begründet haben. Wissenschaftliche Nachweise darüber gibt es nicht. Wallfahrten dürften sich wohl erst ab dem 12. Jahrhundert entwickelt haben. Auf den 1.140 Kilometern im Uhrzeigersinn um die japanisch Insel Shikoku besuchen die Pilger (japanisch: Henor) „88 TEMPEL“. Diese wiederum sind unterteilt in vier Stufen der menschlichen Entwicklung: Erwachen, Askese, Erleuchtung und Nirwana. In einem in Stoff gebundenen Buch sammeln die Henro an jedem Tempel eine Kalligraphie und einen Stempel als Nachweis für ihre Pilgerschaft.

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Die Anreise zu Tempel 1 gestaltete sich sehr einfach. Vom Namba-Zentralbahnhof in der Metropole Osaka (Bild unten)

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fährt mehrmals täglich ein Linienbus nach Takamatsu City auf die Insel Shikoku. Dieser hält auf einer für Pilger eingerichteten Autobahnhaltestelle unweit von Tempel 1. Beim ersten Tempel befindet sich auch ein Informations-Center für die Pilger. Hier kaufen die Henro Hut, weißes Oberhemd, weiße Hose, Gebetskette, Glocke, Tasche, Stola, Stock, Pilgerbuch und Pilgerstreifen. Auch ein Reiseführer in englischer Sprache ist hier erhältlich. Ich begnügte mich mir dem Hut, dem weißen Oberhemd dem Pilgerbuch und dem Stock. Aus Respekt vor der mir fremden Religion wollte ich mich nicht zum „Kurzzeit-Buddhisten“ machen.

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Wie auf den Wegen nach Santiago, gibt es auch auf dem Shikoku-Weg viele freiwillige Helfer. Einer dieser „Pilgerberater“ nahm mich sofort mit in seine Haus und bot mir grünen Tee an. Dann besorgte er mir eine Unterkunft in einem Henro-House am Ort. Im Henro-House fand gleich ein reger Austausch zwischen dem „Herbergsvater“ und mir statt. Am späteren Nachmittag ging ich zurück zum Tempel Nummer 1 um meine Pilgerschaft offiziell zu starten. In kunstvoller Schrift wurde der erste Eintrag in mein Pilgerbuch gemacht. Wie der Zu-fall es wollte, war gerade ein Fernsehteam eines Lokalsenders vor Ort, die eine Reportage über die Shikoku-Pilger machten. Dem Reporter fiel sofort mein europäisches Aussehen auf. Ich erzählte von meinen vielen Fußkilometern in Europa auf Jakobswegen und durfte gleich eine TV-Interview geben.

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Nach der ersten Nacht sollte meine Pilgerschaft starten. Die 88 Tempel verteilen sich sehr unregelmäßig um die Insel. So waren am ersten Tag meiner Tour bereits 9 Tempel zu besichtigen. Die meisten Henro bewältigen den Weg heute mit dem Auto. Von den mehreren hunderttausend Pilgern pro Jahr sind wenige tausend zu Fuß unterwegs. Allerdings steigt der Zahl der Fußpilger und Fahrradpilger seit einigen Jahren kontinuierlich an. Die Wegemarkierungen sind vorbildlich. Erfahrungen hierfür holte man sich auch am Jakobsweg ins Spanien.

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Leider ist oftmals auf Teerstraßen zu gehen, die aber fast immer eine separate Spur für Fußgänger haben. Gefährlicher als der Straßenverkehr sind die giftigen Schlangen in den Wäldern. Wer darüber zu viel nachdenkt, sieht irgendwann in jedem Zweig eine Schlage. Aber gerade diese Wälder, mit dem vielen Bambus machen die Tour so einzigartig.

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In Japan wird man als Fremder mit unendlicher Herzlichkeit aufgenommen, jedoch wird es als sehr unhöflich empfunden, wenn man unangemeldet ankommt. Ich ließ mir immer vom Betreiber der Unterkunft das Zimmer für den nächsten Tag reservieren. Hierzu wurde oftmals lange wegen einer geeigneten Unterkunft telefoniert. Billige Sammelunterkünfte sind selten. In den Tempeln gibt es oft einfache Zimmer die gratis benutzt werden können. Jedoch Vorsicht: Kommt eine Pilgerin, haben die Männer das Zimmer zu verlassen und nächtigten dann im Freien!

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Am zweiten Tag durfte ich gleich meine erste harte Bergprüfung bestehen. Zweimal von Meereshöhe auf fast 800 Höhenmeter. Wunderbare Berge mit Tempeln auf ihren Gipfeln.

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Nach den Bergen folgt ein längerer Abschnitt entlang der Küste bis zum Kap Muroto. Wie nach Santiago fand sich gleich ein Grüppchen, das sich zu einer Pilgergemeinschaft zusammenschloss. Etwas Englisch spricht hier jeder Henro. Zusammen gingen wir dann entlang der Tosa-wan Bay zum Kap Ashizuri, dem südlichsten Ort der Pilgerschaft mit Tempel 38. Der Pilgerweg fährt jetzt wieder nach Norden. Bei Tempel 52 gibt es die Möglichkeit, die Jet-Fähre nach Hiroshima zu nehmen. Ausländer zahlen den halben Preis. In Hiroshima nächtigte ich im Santiago-Guest-House!

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Zurück auf der Shikoku-Insel geht es weiter nach Osten. Die Erinnerung an Hiroshima begleitete mich noch mehrere Tage. An den letzten Pilgertagen stößt man auf besonders viele Tempel (Nummer 66 – 88), aber auch auf besonders steile Wege. Tempe 88 (Bild unten rechts) ist wieder nahe Tempel 1 (Bild unten links).

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31 Tage Pilgerschaft: Schlafen, Gehen, Tempel-Besichtigung, Essen, Unterhaltung. Wir Jakobspilger kenne dieses einfache und doch so erfüllende Leben alle sehr gut. Es gab sehr harte und auch einfache Tage. Hinauf zu den Tempeln führen viele, viele steile Treppen. Wer bisher dachte, dass unsere Kreuzweg lang und steil sind, der wird sie nach Shikoku als sehr einfache empfinden. Ich traf auf viele nette Menschen mit denen ich über Facebook noch immer Kontakt habe. Lebensmittelgeschenke bekam ich fast jeden Tag. Europäische Pilger sind sehr selten, jedoch traf ich auch Schweizer, Holländer, Franzosen und Engländer.

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Besonders nett fand ich die Begegnung mit zwei buddhistischen Nonnen aus Südkorea. Sie erzählen mir unter anderem von ihren komplizierten Kontakten mit (Untergrund)-Tempeln in Nordkorea. Bereits am Hinflug musste ein beachtlicher Umweg wegen Nordkorea geflogen werden. Das Thema Nordkorea belastet die Menschen in der Region sehr. Immer wieder wurde auf unsere doch so geglückte Wiedervereinigung hingewiesen. Zum Schluss unseres längeren Gesprächs mit den Nonnen landeten wir natürlich bei unseren Religionen. Wir einigten uns darauf, dass Jesus und Buddha sehr große Persönlichkeiten waren. Wenn der Dialog zwischen den Religion nur immer so einfach wäre…..

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Von den 1.140 Kilometern musste ich rund 150 per Zug fahren. Mehr als fünf Wochen Urlaub wurden mir nicht zugestanden. Die sechste Woche fehlte mir einfach. Die vorgeschlagenen 45 Tage für die ganze Strecke wären notwendig, wenn man alle Rituale in den Tempeln mitmacht. Ich habe in Tempeln geschlafen, ich ging mit den Mönchen zum Essen und in den „Gottesdienst“. Sie erklärten mir sehr viel. Parallelen zu unserer Religion sind sicherlich viele vorhanden. Denkt man nur an die „goldene Regel“.

Das japanische Essen – mit täglich Fisch und Salat schon zum Frühstück – war für die sportliche Herausforderung gut geeignet. Jedoch täglich Reis waren mir irgendwann zu viel. Ich entdeckte Spaghetti-Gerichte im Supermarkt.

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Manche Pilger sagen, dass man das Erlebnis Santiago nur einmal erlebt, oder dass man nur beim ersten Mal wirklicher Santiago-Pilger ist. Ich kann dem irgendwie zustimmen. Aber hier auf Shikoku in Japan war es für mich wieder ein erstmaliges Erlebnis.

Mit meinen neuen japanischen Freunden bin ich noch in Kontakt. Es gäbe da noch den 33-Tempel-Weg, der auch zusammen erpilgert werden könnte….. Er soll aber noch etwas anstrengender sein…..

Die ganze Geschichte über meine Pilgerschaft auf Shikoku schreibe ich gerade als Buch. Es gibt viel zu erzählen!

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Der „bayrischen Henro“ Bürger in Japan…  

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