Drei Tage auf dem „Jakobsweg Isar-Loisach-Leutascher Ache-Inn“ von Penzberg nach Mittenwald

Tag 1: Als Ausgangspunkt für unsere Pilgerschaft wählten wir die Moschee von Penzberg. Diese wurde vom Augsburger Architekten Alen Jasarevic entworfen und wird oft als Vorbild für neue Moscheen in Europa gesehen. Die Bergarbeiterstadt Penzberg liegt nicht direkt am Jakobsweg, hat aber einen Bahnanschluss.

Rund einen Kilometer nach der Moschee trifft man auf eine Markierung des Jakobswegs. Eine kleine Schlaufe führt zur Kapelle Schönmühl, die direkt an der Loisach gelegen ist. Ein erster Platz für eine Atempause.

Neben der Straße geht es nun weiter nach Bichl mit seiner schönen St. Georgs-Kirche. Diese wurde 1751/52 im Spätbarock vom Baumeister Johann Michael Fischer geschaffen. Die Deckenfresken und die Stuckmalerei machen sie zu einem Anziehungspunkt für viele Touristen.

Von Bichl sieht man schon das Kloster Benediktbeuern. Das Kloster ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner und heute eine Niederlassung der Salesianer Don Boscos. Der Ort ist mir sehr gut bekannt, da ich dort meine theologischen Prüfungen ablag. Wir verbrachten hier die erste Nacht auf unserer Pilgerschaft.

Tag 2: Wer verließen das Kloster am frühen Morgen und pilgerten auf wunderbaren Wegen, teils entlang der Loisach, nach Kochel am See. Der Weg ist vorbildlich markiert und bietet kurz vor Kochel am See sogar zwei Alternativen an. Beide sind gleich lang.

Wir erreichten Kochel am See mit seiner St. Michael-Kirche. Die typisch oberbayerische Gemeinde wird geprägt von bemalten Häusern, Blumenkästen an Fenstern und Balkonen und seiner barocken Kirchen. Auf zehn Fresken ist das Wirken des Erzengels Michael dargestellt. Erst nach dem Verlassen des Ortes gelangen die Pilger an den See. Wir hatten einen sehr heißen Tag im Sommer 2018. Ein kleines Bad im See spendete uns Erfrischung. Der Jakobsweg führt ein vielen öffentlichen Badestellen vorbei.

Seit Penzberg wanderten wir in Richtung Alpen. Sie kamen immer näher. Nun war der erste Bergpass zum Walchensee auf der alten Römerstraße zu bezwingen. Hier findet die Pilgerseele, was sie sucht. Unendlich schöne Landschaft, einen alten Pfad über den Berg, Gebirgsbäche und auch Schatten vor der Sonne. Angesichts der Hitze war es scheißtreibend, bis wir die Passhöhe von 859 m erreicht hatten. Nur noch wenige Meter und wir hatten den ersten wunderbaren Blick auf den Walchensee. Er ist einer der tiefsten und zugleich einer der größten Alpenseen Deutschlands. Nun ging es bis zum Ort Walchensee, wo wir auch nächtigten. In der Nacht setze Starkregen ein.

Tag 3: Nun war ein da – der Regen! Nach der Hitze des Sommers 2018 war es ein schönes Erlebnis. Der Jakobsweg führt weiter am Walchensee entlang. Das Wasser schimmerte grün und Regenwolken hangen an den Bergen.

Vorbei geht es am Jugendhaus Klösterl und auf Waldwegen und auch auf Teer immer weiter. Trotz Regen ein wunderschöner Tag. Das Nass verwandelte die Landschaft in malerische Farben und die Luft roch so unheimlich intensiv. Pilgern ist Wandern mit allen Sinnen. Dies wird gerade an Schlechtwettertagen zum Erlebnis.

Ein kleiner Wasserfall am Weg und es ging weiter nach Wallgau mit seiner St. Jakobus-Kirche. Der Regen hörte nicht auf und so bot die Kirche etwas Trockenheit. Erstmals im 8. Jahrhundert erwähnt, ist Wallgau heute eine touristische Gemeinde nahe der deutsch-österreichischen Grenze.

Weiter führte uns der Weg nach Krün zur St.-Sebastian-Kirche. Der Regen wurde immer stärker. Es war Zeit für die Mittagspause. In dieser Region findet der Pilgernde immer eine passende Gaststätte.

Jetzt folgte der unendlich schöne Weg nach Mittenwald. Es geht auf und ab durch sattgrüne Landschaft. Schließlich wird am Ortseingang von Mittenwald eine Infotafel über den Jakobsweg erreicht.

Das schöne Mittenwald mit seinen 7.500 Einwohnern ist Anziehungspunkt für Touristen aus der ganzen Welt. Ein Ort, der zum Verweilen einlädt. Das malerische Zentrum bietet viele Einkaufsmöglichkeiten. Hotels und Gaststätten sind in großer Zahl vorhanden. Mit der Bahn kann die Rückreise problemlos angetreten werden.

Die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, die ursprünglich gotisch gebaut wurde und um 1740 vom Wessobrunner Künstler Joseph Schmuzer barockisiert wurde, bildete das Ende unserer Pilgerschaft. Deckengemälde und Ausstattung stammten von Matthäus Günther. 

Eine Pilgerschaft durch Oberbayern. Wunderschön!!!