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Ungarischer Jakobsweg – Burgenländischer Jakobsweg – Österreichischer Jakobsweg

 

In unserer Vereinszeitschrift weckte ein Buch meine Neugier: A SZENT JAKOB ZARÁNDOKÚT – Ein Pilgerführer über den Ungarischen Jakobsweg von Budapest bis zur österreichischen Grenze bei Wolfsthal.
Bereits letztes Jahr sah ich mir einige Stationen des Weges während eines Urlaubs am Plattensee an.
Meine Fußpilgerschaft sollte mich dieses Jahr ein Stück durch Ungarn und anschießend über das Burgenland nach Wien führen. Eine Stecke von ca. 170 Kilometern. Als Ausgangspunkt wählte ich das berühmte Benediktinerkloster Pannonhalma, das seit 1995 UNESCO-Welterbe ist.
Mit dem Zug fuhr ich am 14. August über Salzburg nach Györ. Hier hatte ich mir für zwei Tage ein Hotel reserviert.

15. August 2014: Pannonhalma – Györ
Am frühen Morgen fuhr ich nach Pannonhalma. Für Eisenbahnromantiker ist diese Fahrt in den alten Wagons ein besonderes Erlebnis. Der Bahnhof liegt etwas außerhalb, so dass es bis zum Martinsberg mit dem Kloster gut zwei Kilometer waren. Nach der Klosterbesichtigung startete ich meine Pilgerschaft. Besonders berühmt ist die Bibliothek!

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Vom Martinsberg hatte man den ersten Blick auf die Berge des heutigen Tages.  Wer meint, dass Ungarn nur Puszta sei, wird hier das Land von einer anderen Seite kennenlernen. Zuvor sah ich mir noch den kleine Ort Pannonhalma an. Wie schon in Italien wird man hier in Ungarn auch an fast jedem Haus von einem nicht immer freundlichen Hund begrüßt.

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Im Tal ging es zunächst nach Écs, wo ich die Kirche besichtigte. Eine ältere Frau versuchte mir die Darstellungen des Szent István zu erklären. Der Weg führt einige Meter entlang der Hauptstraße und biegt dann in Richtung Sokoró-Gebirge ab.

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Jetzt folgte der Aufstieg zum Höhenweg entlang des Bergkamms. Durch den Regen am Vortag wurden die ersten 10 Kilometer zur Schlammschlacht. Als der Funkturm am höchsten Punkt des Berges erreicht war, ging es im Auf und Ab noch weiter bis Györújbarát.

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Györ (Raab) ist schon in der Ferne zu sehen!

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Nach dem Abstieg erreicht man die ersten Vororte von Györ. Den Jakobsweg führte man durch ein herrliches Biotop und dann entlang des Dammes des Flusses Rába. Auf Deutsch heißt der Fluss Raab wie auch die Stadt Györ! Am Ende des Dammes ist nach rund einem weiteren Kilometer der Bahnhof von Györ erreicht.

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Zuvor geht man am Kalvarienhügel vorbei. Durch die Bahnhofunterführung gelangt man vorbei am Rathaus ins Zentrum der Großstadt. Es zog ein heftiges Gewitter auf. Vermutlich aus „Vorhersicht“ habe ich bereits am Vortag einige Bilder von Györ gemacht. Sehenswert sind u. a. die St. Ignatiuskirche, die historischen Straßenzüge im Zentrum und natürlich die Kathedrale. Vieles erinnert an die K&K-Zeit und ist vorbildlich restauriert. In der Stadt gibt es viele Lokale zum Essen.

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Die reine Stecke hatte eine Länge von 27 km.

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16. August 2014: Györ – Lébény
Auf dem Weg heraus aus Györ besichtigte ich noch die Karmeliterkirche und hatte nochmals einen schönen Blick auf die Kathedrale und die Bischofsburg. Der Weg führt auch an der Synagoge vorbei.

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Nun ging es auf dem Damm des Rába-Flusses entlang. Man unterquert die Nationalstraße, die Bahnstreck und die Autobahn von Wien (Bécs) nach Budapest. Kurz vor dem Ort Börcs wechselt der Pfad die Flussseite, vorher gibt es noch ein Museumskraftwerk zu sehen.

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Ich machte in Börcs in einer kleinen Bar Mittagspause und ging dann wieder auf dem Damm weiter. Hier traf ich auf vier ungarische Pilger, die von Budapest bis Lébény wanderten. Die Unterhaltung vertrieb die Zeit bis zum Abzweig, der mich zum Übernachtungsort bringen sollte.

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Vorbei an Einfamilienhäuser gelangt man ins Zentrum des Ortes. Das moderne Pilgerhaus war restlos voll, aber ich bevorzugte sowieso eine Pension. Die Jakobuskirche von Lébény zählt zu den wichtigsten romanischen Bauten Ungarns. Man kann sie gegen Eintritt besichtigen oder man geht zum Gottesdienst.

Pilger, die in Budapest gestartet sind, bekommen hier im Pilgerhaus eine Urkunde über ihre Pilgerschaft. Jährlich sind es an die 400 Personen!

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Streckenlänge 25 km

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17. August 2014: Györ – Mosonmagyaróvár
Am frühen Morgen ging ich bis Kimle, wo ich eine Pause machte und die Kirchen besichtigte. Es war Sonntag, aber in Ungarn haben die Supermärkte geöffnet. Diesen Tag wollte ich mich selbst versorgen. Bei gutem Wetter liebe ich das Essen in der Natur. Es sind immer wieder Bänke und Tische aufgestellt, die zu Picknicken direkt aufrufen.

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Es ging weiter auf Feldwegen nach Máriakálnok. Die Kirche wurde mit Geldern aus Deutschland vorbildlich restauriert. In der Bar am Ort machte ich eine letzte Pause.

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Dann folgte noch die Strecke nach Mosonmagyaróvár. Hier hat sich der Pilger mit den Radfahrern einen asphaltierten Weg zu teilen. Durch schöne Waldwege und entlang des Flusses erreicht man schließlich eine breite Straße. Diese zieht sich vorbei an sozialistischen Plattenbauten (verziert mit Gemälden von Kirchen!) zur Ortsmitte.

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Ich fand im ganzen Zentrum kein Hotel, dafür aber viele Zahnärzte. Auf einer Ausfallstraße sah ich ein Schild „Zimmer für Patienten“. Als ich erklärte, dass ich Fußpilger sei, wurde mir ein Bett in der Praxis gegeben. Es war Sonntag und es gab keine Patienten.
Streckenlänge 26 km plus Zimmersuche!

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18. August 2014: Mosonmagyaróvár – Weiden am See
Der Ungarische Jakobsweg würde jetzt bis Wolfsthal führen und hier als Österreichischer Jakobsweg nach Wien und weiter nach Santiago… Ich wollte aber über den Neusiedler See pilgern. Diesen alternativen Weg hätte ich bereits in Lébény einschlagen können. Hierdurch wäre ich etwas schneller in Mosonszolnok gewesen, hätte aber weniger von Ungarn gesehen..

Es waren rund sechs Straßen-Kilometer bis Mosonszolnok. Nun war ich auf der Weg-Variante zum Burgenländischen Jakobsweg.

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Bis zur Grenze waren es rund 13 Kilometer, die sich endlos durch Niemandsland (früher Sperrgebiet) zogen. Eine Strecke, die in der jüngeren Geschichte sicherlich auch von DDR-Flüchtlingen gegangen wurde.

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Vom Grenzstein (der wohl einiges erzählen könnte) bis Halbturn sind es nochmals knappe drei Kilometer. Ich besichtigte die Kirche und das Schloss. Außerdem war es Zeit für das Mittagessen.

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Jetzt empfiehlt sich der kleine Umweg nach Frauenkirchen zur Basilika Mariä Geburt. Der Ort wurde im 14. Jh. bereits erwähnt. Hier beginnt eigentlich der „Burgenländische Jakobsweg“.

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Zurück nach Halbturn!  Es geht durch Weinberge nach Mönchhof und Gols. Hier war ich mit der Zimmersuche erfolglos. Ich pilgerte weiter bis Weiden am See, wo man mir in der Touristeninformation ein schönes Zimmer suchte. (Weiden am See ist Partnerstadt von Weiden in der Oberpfalz!) Ich unternahm noch eine kleine Wanderung entlang des Sees, den ich schon aus meiner Kinderzeit kannte.

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Steckenlänge rund 33 Kilometer ohne Umweg nach Frauenkirchen.

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19. August 2014: Weiden am See – Brück an der Leitha
Über Weinberge und vorbei an Weinkellern ging es nach Neusiedel am See. Man hat hier den besten Blick auf den See. Über den Kalvarienberg gelangt man ins Zentrum der Stadt. Es war noch früher Morgen, aber es war bereits sehr warm.

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Hinter Neusiedel wartet das Leitha-Gebirge auf den Pilger. Ganz sanfte Anstiege führen den Pilger über diesen Ausläufer der Alpen. Die Sonne verschwand hinter den Wolken und es wurde schlagartig kühl und windig.

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Es ging vorbei an der Vitus-Kapelle und man erreicht schließlich Bruckneudorf mit dem Kriegerdenkmal und dann Bruck an der Leitha, bereits Niederösterreich. Hier besichtigte ich noch die Stadtpfarrkirche mit dem Kirchenturm, der früher Stadtturm war. Die Zimmersuche gestaltete sich äußerst langwierig. Erst am frühen Abend fand ich eine Unterkunft.

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Streckenlänge ca. 20 Kilometer
Den Tag genau vor 25 Jahren kam es zur Massenflucht von DDR-Bürgern an der ungarisch-österreichischen Grenze! Am Vortrag wurden mir bei einem Heurigen viele Geschichten aus der Zeit der Grenzöffnung erzählt.

Für Weinliebhaber ist dieser Pilgerweg besonders zu empfehlen.

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20. August 2014: Bruck an der Leitha – Maria Ellend
Nach dem Frühstück verließ ich Bruck und machte aber vorher noch eine kurze Besichtigung des Schlosses Harrach. Dann ging ich bis Göttlesbrunn, einem typischen Weindorf. Für einen Schluck war es aber noch zu früh und der große Weintrinker bin ich sowieso nicht.

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Hinter dem Ort führte der Weg durch den Wald, vorbei ein zwei Kapellen und schließlich nach Maria Ellend einem traditionellen Wallfahrtsort. Hier besuchte ich zuerst die Lourdesgrotte und dann die Kirche. Hier endet auch der Burgenländische Jakobsweg.

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Streckenlänge rund 18 km

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21. August 2014: Maria Ellend – Wien
Heute ging es auf dem Österreichischen Jakobsweg weiter. Durch die Donauauen führte mich der Weg nach Fischamend, dem Ort mit dem alten Stadtturm mit einem Fisch an der Spitze. Es setzte starker Regen ein. Eigentlich wollte ich bis nach Schwechat pilger, da nach meiner Karte hier die Wegmarkierungen enden. Doch ich fuhr bereits ab Fischamend mit der S-Bahn nach Wien-Mitte.

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Gleich am Bahnhofsvorplatz hatte ich den ersten Blick auf den Stephansdom. Es war erst früher Morgen und ich hatte noch genug Zeit für eine ausführliche Stadtbesichtigung (Hofburg, Parlamentsgebäude, Rathaus, Pestsäule…) . Besonders interessant fand ich die Votivkirche. Sie ist die zweithöchste Kirche Wiens. Unweit von ihr hatte ich mir ein Hotel reserviert.

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Streckenlänge bis Schwechat 18 km

Am 22. August ging es vom Westbahnhof in Wien zurück nach Bayern.

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Ich war total überrascht über die vielen ungarischen Pilger. Diese Art des Reisens ist wohl inzwischen in ganz Europa sehr beliebt.
Einen einzigen nennenswerten Anstieg gab es am ersten Tag. Der Rest des Weges verläuft überwiegend in der Ebene.

Tage mit viel Natur, Touristische Orte und Großstädte – Abwechslung, die ich immer wieder suche…

Ich war sehr angenehm von der vorbildlichen Wegmarkierung in Ungarn überrascht. Verlaufen ist nahezu nicht möglich.
Ein paar Wörter in Ungarisch schaden natürlich nicht, aber viele Menschen sprechen Deutsch.
Ich war schon mehrere Male in Ungarn. Aber wie auf all meinen Fußpilgerschaften bleibt die Erkenntnis: NUR ZU FUSS WARST DU AUCH DA!

Anmerkung: Einige Bilder stammen aus meinem persönlichen Fotoarchiv (aufgenommen 2012 und 2013)