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Vom Jakobspilger zum Petruspilger

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In den Jahren 2007 und 2008 pilgerte ich auf dem berühmten Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Das mittelalterliche Pilgern empfand ich inzwischen als die schönste Form des Reisens. Völlig gegen den Zeitgeist zu schwimmen, nicht Hektik, sondern Entschleunigen!

Im Jahr 2009 war es nun Zeit für eine größere Herausforderung. Das Ziel sollte nicht erneut Spanien sein, sondern Italien mit seiner „Ewigen Stadt“. Ich fand zwei Bücher, die nicht einen Jakobsweg nach Santiago de Compostela, sondern die Pilgerroute nach Rom beschrieben. Gesehen und gekauft war für mich mein nächstes Pilgerziel klar: Die Via Francigena (VF – Der Frankenweg) von Lausanne nach Rom.

 

Pilgern für Fortgeschrittene, nannte eine Zeitschrift diesen Weg!

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24. Mai 2009 – Anreise nach Lausanne
An der Kreuzung Jakobsweg – Via Francigena

Am frühen Morgen fuhr ich mit der Eisenbahn über München, Zürich und Bern nach Lausanne in der Schweiz. In den letzten Jahren war ich sehr viel verreist, aber in unserem Nachbarland war ich das letzte Mal als Kind. Vom Bahnhof in Lausanne machte ich mich gleich auf den Weg zur Kathedrale Notre-Dame. Diese ist über eine überdachte Holztreppe mit 160 Stufen zu erreichen. Bei dem Gotteshaus handelt es sich um eines der wichtigsten Gebäude in der Stadt. Die Fensterrose erleuchtete den Innenraum der Kathedrale mit ihren Farben. Im Gegensatz zu meinen Pilgerreisen nach Santiago, war außer mir, kein Pilger weit und breit zu sehen. Nur ein paar Radfahrer, die aber wohl nicht nach Rom wollten.

Von der Kirche hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und den Genfer See. Es war noch Zeit für einen kleineren Stadtbummel. Doch so mit dem Rucksack und den Stöcken ist man in der Shopping-Meile etwas fremd. Ein Gefühl, dass mich noch den ganzen Weg begleiten wird. Dann auf der Via Francigena gehören heute Pilger nicht mehr zum Alltag.

Da es in der Schweiz nahezu keine Pilgerherbergen gibt, musste die Jugendherberge von Lausanne diese Rolle übernehmen. Ich hatte die Unterkunft am Vortag reserviert. In der Herberge traf ich einen belgischen Pilger, der auf dem Weg nach Santiago war, denn in Lausanne kreuzt der Jakobsweg die Via Francigena. Dem Belgier war der Pilgerweg nach Rom nicht bekannt, obwohl auch er schon viele Fernwanderwege absolviert hatte. Er notierte sich aber den Titel meines Reiseführers, da Pilger wohl auch immer auf der Suche nach neuen Zielen sind. Für mich war es eine angenehme Unterhaltung, da die restlichen Gäste in erster Linie Jugendliche  waren. Ich ordnete noch einmal meinen ganzen Rucksackinhalt. Nach zwei Fußpilgerreisen hatte ich inzwischen mein eigenes Packsystem entwickelt. Rechte Seitentasche: Reiseführer, Landkarten und Wörterbücher – linke Seitentasche: Ladegeräte für Fotoapparat und Handy. Ganz oben bleib immer frei für Proviant und die Taschenlampe.

Irgendwie war mir schon klar, dass dies etwas anderes werden wird als meine Jakobswege. Die Alpen waren zu überqueren, ich hatte nur geringe Sprachkenntnisse in Italienisch und ob der Weg gut markiert ist? – Fragen über Fragen. Aber Luftveränderung macht bekanntlich müde und so fiel ich schnell in einen erholsamen Schlaf. Auch dieser Weg wird eben wie das Leben werden: Einen Tag geht es gut, den anderen Tag geht es schlecht. Auf und ab und so wie es kommt, so muss es auch genommen werden.

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Lausanne im Kanton Waadt: Die Kathedrale Notre-Dame wurde im 12. und 13. Jahrhundert erbaut und war schon immer Pilgerziel.

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Lausanne – Uferpromenade am Genfer See – Menhire von Lutry – Zentrum Lutry

 

25. Mai 2009 – Vevey
Man lernt, die Schweiz ist teuer

Bei Sonnenaufgang ging die Fußwanderung in das 1.100 Kilometer entfernte Rom los. Der Reiseführer sprach von einer sehr schöne Etappe entlang des Genfer Sees. Es ging an der Uferpromenade entlang, vorbei an Villen, dem Weinbaugebiet Lavaux, das seit 2007 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, zum Tagesziel Vevey. In der Touristeninformation fragte ich nach einer günstigen Übernachtungsmöglichkeit. Mir wurde die Jugendherberge genannt, die aber auch im Gemeinschaftszimmer 45 Franken kostete. Die freundliche Dame in der Info meinte nur: „In dieser Gegend gibt es eben keine günstigen Hotels“ …Dass die Schweiz kein Billigurlaubsland ist, versteht sich wohl von selbst.

Am späteren Nachmittag setzte ich mich auf die Ufermauer in der Hoffnung, vielleicht noch einen anderen Pilger zu treffen. Mein Warten wurde belohnt. Ein Herr aus den Niederlanden kam mit seinem Rucksack an mir vorbei. Hinten auf dem Rucksack baumelten zwei gekreuzte Schlüssel. Es war daher klar, dass er wie ich auf dem Weg zum Petrusgrab ist. Nach Santiago mit der Muschel – nach Rom mit dem Schlüssel, die Symbole der Heiligen! Der Holländer erzählte mir, dass er zu Fuß von Zuhause gestartet sei und täglich 30 km gehe. Heute wolle er noch gut 15 Kilometer wandern. Mir war sofort klar, dass er nicht der passende Reisebegleiter für mich wird, denn ich war noch nicht richtig „eingelaufen“.  So verbrachte ich den Abend in der Jugendherberge. Die anderen Gäste waren erstaunt über mein Vorhaben, zu Fuß nach Rom zu gehen.
Wegverlauf: Lausanne – Lutry – Cully – Vevey (rund 21 einfach Kilometer)

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Das Weinbaugebiet Lavaux am Genfer See

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Die VF – Durch die Weinberge – Vevey, die Perle an der „Schweizer Rivierea“ –  „La Grenette“ am Grand-Place

 

26. Mai 2009 – Aigle
Ein Sandwich für einen deutschen Pilger

Wie man es von der Schweiz erwarten kann, ist der Weg nach Rom als Fernwanderweg 70 sowohl nach Rom, als auch nach Canterbury, gut gekennzeichnet. Beginn des Weges ist natürlich nicht Lausanne, sondern Canterbury.

Im Jahre 990 pilgerte Erzbischof Sigeric zum Papst nach Rom. Er notierte seine Wegetappen. So war die Via Francigena schon vor dem Jakobsweg eine der bedeutendsten Pilgerrouten Europas.

Ich verzichtete auf mein Frühstück und ging sehr früh los. Die nächste größere Stadt am Weg war das berühmte Montreux. Hier war es nun Zeit für ein Frühstück. Irgendwie kam ich mir ein wenig weltfremd vor, mit meinem Rucksack in dieser vornehmen Gegend. Ein Gefühl, dass man in Spanien auf dem Jakobsweg nie hat. Der Weg führte weiter entlang des Sees vorbei am Wasserschloss Chillon. Leider bleibt als Pilger oft wenig Zeit für Besichtigungen. Die Tagesetappen geben einem irgendwie das Tempo vor. Der „Spaziergang“ entlang des Wassers sollte in Villeneuve sein Ende finden. Hier verlässt die VF den Genfer See. Immer näher rückten die Alpen, die ich auf dem Weg zu überwinden hatte. Es folgen die Orte Roche, Versvey und Yvonne. Am Ortseingang von Aigle, meinem geplanten Übernachtungsort, stieß ich auf die erste historische Brücke. In meinem Reiseführer waren ein paar günstige Hotels genannt, wobei das Wort „günstig“ in der Schweiz wohl etwas anders ausgelegt wird.

Gerade im Hotel angekommen, folgte ein Platzregen, der seines Gleichen erst einmal suchen muss. Glück muss man haben, dachte ich mir dieses Mal. Es war eine kleine Pension und die Besitzerin war sehr freundlich. Sie sprach leider weder Deutsch noch Englisch. Ich kann kaum Französisch, doch wir konnten uns auf Spanisch einigen.

Als der Regen vorbeigezogen war, besichtigte ich noch das Château d’Aigle, obwohl es etwas außerhalb liegt. Neben den Wanderkilometern, kommen auf jeder Fußpilgerreise noch etliche Besichtigungskilometer dazu.

Das Château war bis 1972 ein Gefängnis und ist heute ein Museum. Als ich am frühen Abend in die Pension zurückkehrte, fragte mich die Inhaberin, wann ich frühstücken wolle. Da ich sehr früh losgehen wollte, machte sie mir ein leckeres Sandwich für den nächsten Tag.
Wegverlauf: Vevey – Montreux – Château Chillon – Villeneuve – Roche – Aigle (rund 25 einfache Kilometer)

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Château de Chillon: Erbaut im 11. Jahrhundert,  im 12. Jahrhundert ging es an die Savoyer über

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Wegmarkierung – Blick auf Montreux – Erster Blick auf das Wasserschloss – Holzbücke zum Schloss

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Die Via Francigena kurz hinter Château d’Aigle

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Entlang des Bachs – Pont Napoléon – Schloss Aigle – Zentrum Aigle

 

27. Mai 2009 – Martigny
Pilgerzimmer am Campingplatz

Es ging wieder durch Weinberge. Ich kam nochmal vorbei am Schoss Aigle und dann sollte mir die erste Bergetappe bevorstehen. Diese war härter als angenommen. Aber wie heißt der alte Pilgerspruch aus Santiago: „Sin Dolor – No hay gloria * Ohne Schmerz – kein Ruhm“. An diesen Satz werde ich die nächsten Tage wohl noch oft denken. Die Bergetappe war geschafft und ich kaufte mir in Ollon ein paar Früchte in einem kleinen Tante-Emma-Laden.

Jetzt folgte wieder ein einfacherer Weg. Der nächste Ort klingt wie Musik – St. Maurice! – Hier hat der Pilger die Möglichkeit einen schönen Weg über die Berge zu gehen, oder einen nicht so schönen entlang einer befahrenen Straße. Da ich heute schon einen Berg hinter mir hatte, entschloss ich mich für die Straße. Dies war wohl keine gute Entschiedung! Vom berühmten St. Maurice ist zuerst das Schloss zu sehen, erst dann folgt der Ort. Es war Zeit zum Mittagessen. Vorher ging ich aber zur Touristeninformation um mir einen Stempel für den Pilgerausweis abzuholen. Wie auch nach Santiago benötigt der Rompilger als Nachweis für seine Pilgerschaft täglich mindestens einen Stempel. Die Damen der Info waren sehr freundlich und zuvorkommend. Auf meine Frage, wie viele Pilger denn so täglich hier vorbeikämen, antworteten Sie: „Nur so 2 pro Woche!“ – Aber es blieb keine Zeit für Zweifel an dieser Reisen, dann auch heute standen noch viele Kilometer Fußmarsch auf dem Programm und erst die Hälfte der Strecke war geschafft. Natürlich nahm ich mir noch die Zeit zur Besichtigung der Felsenkirche und der Abtei. Saint-Maurice war schon immer ein wichtiger Pilgerort. Der Kirchenführer schreibt: „Zu Ehren des heiligen Mauritius schenkten berühmte wie unbekannte Pilger dem Stift kostbare Reliquiare.“

Vorbei am höchsten Wasserfall der VF im Dorf Miéville, errichte ich schließlich Martigny. Es ging über eine alte Holzbücke in die Stadt. Im Touristenbüro fragte ich nach einer günstigen Bleibe. Und ich bekam als Antwort: „Wenn es ganz günstig sein soll, dann „hat“ der Campingplatzbesitzer ein Zimmer für Pilger mit Stockbetten.“
Nach Santiago pilgerte ich ein Jahr zuvor mehrere Tage mit einer Schweizerin. Nach ein paar Tagen war ich auch schon so weit, dass ich immer „es hat“ statt „es gibt“ sagte…..

Pilger sind keine Urlauber – dachte ich – und ließ mir sogleich einen Stadtplan mit der Übernachtungsmöglichkeit am Campingplatz geben. Es wurde nicht zu viel verspochen. Es war eine saubere aber enge Möglichkeit zur Übernachtung für Pilger! – Heute aber nur für einen Pilger! – Weitere Pilger waren nicht zu sehen. Das ersparte Hotelgeld wurde daraufhin gleich in ein ordentliches Abendessen investiert. Sehenswert in der Stadt ist die Pfarrkirche. Der erst 1.720 vollendete Kirchturm ist mit seinen 55 m der höchste im Wallis.

Der Campingplatz liegt unweit vom Römischen Amphitheater.
Wegverlauf: Aigle – Ollon – Bex – Saint-Maurice – Evionnaz – Miéville – Vernayaz – Martigny (rund 35 mittlelschwere Kilometer)

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Château Saint-Maurice aus dem 16. Jahrhundert

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Erster Berg – Blick auf Château Saint-Maurice – Abtei Saint-Maurice – Innenansicht

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Römischen Amphitheater in Martigny – Das kleinste Theater der römischen Welt!

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Steg – Wasserfall Pissevache – Holzbücke über Fluss La Drance – Zentrum Martigny

 

28. Mai 2009 – Orsières
Nach Campingplatz folgen 4 Sterne

Heute war endgültig Schluss mit den leichten Wanderungen. Es wurde gleich etwas härter. Ich musste über eine wackelige Holzbrücke und einen Teil der Strecke entlang eines Seils gehen. Ich dachte an die angenehme Pilgerschaft nach Santiago…

Wenn ich so nachdenke, war die Überquerung der Pyrenäen von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Roncevalles, meine erste derartige Bergtour. Hinauf auf rund 1400 Meter. Eine Alpenüberquerung war da doch nochmal etwas anderes.

Es ging zum kleinen Ort Bovenier, den ich schnell durchquerte. Auf dem weiteren Weg nach Sembracher, habe ich im Wald irgendwie den Pfad verloren. Vielleicht hätte ich auch nicht so weit laufen sollen, als keine Markierungen mehr kamen. Jedenfalls führte mich der Weg direkt zu einem Bergbach. Hier ging es nicht mehr weiter. Also den ganzen Weg wieder zurück! „Extrakilometer für den Pilger!“ Schließlich fand ich die Wegmarkierungsrauten wieder. Mittagspause machte ich in Sembracher, einen romantischen Ort. Wer seine Pilgerschaft schon hier beenden will, sollte gleich nach den letzten Häusern die Eisenbahnlinie überqueren. Die Züge kommen aus dem Tunnel und sind im Ernstfall nicht zu sehne.

Ich nahm mir natürlich die Zeit für die Unterführung. Hinter Sembracher folgte nochmals ein Anstieg bis zum Übernachtungsort „Orsières“. Am frühen Nachmittag kam ich dort an. Nach der bescheidenen letzten Nacht am Campingplatz sollte es heute schon ein 4-Sterne-Hotel werden. Das Hotel wurde von einem Österreicher geführte, der vor vielen Jahren in diese Gegend heiratete. Zum Abendessen ging ich in die Bar. Dort saß ein deutsches Ehepaar, das gerade beim Essen war. Wir kamen irgendwie ins Gespräch. Sie waren völlig überrascht, dass es heute noch Menschen gibt, die freiwillig 1.100 Kilometer zu Fuß nach Rom gehen. Im Gegensatz zu dem deutschen Ehepaar war ich für die Dorfbevölkerung, die am späteren Abend in die Bar kam, die Attraktion des Tages – Ein Pilger!!

Vor einiger Zeit hatte ich ein Buch über den Jakobsweg gelesen, das im Jahr 1984 geschrieben wurde. In einer Zeit, als der Weg nach Santiago nahezu in Vergessenheit geraten war. Der Autor erzählte immer wieder von ähnlichen Erlebnissen. „Was SIE sind Pilger!“
Es wurde ein längerer Abend in der Bar des Hotels. Wer sich über Bierpreise am Oktoberfest beschwert, sollte besser nicht in die Schweiz reisen.
Zum Abschluss bekam ich vom Wirt einen kleinen Stoff-Bernhardiner geschenkt, der mich auf den gesamten weiteren Weg begleitete.
Wegverlauf: Martigny – Bovenier – Sembracher – Orsières (rund 19 km – anstrengend)

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Sembracher auf 730 Metern

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Weg mit Metallkette – Bovenier – Bauernhäuser in Sembracher – Gefährlicher Bahnübergang

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Kirche St-Nicolas in Orsières – 901 m

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Weg nach Orsières – Erster Blick auf den Ort – Zentrum – Friedhof

 

29. Mai 2009 – Bourg Saint-Pierre
„Do you speak English?“

Zuerst ging es durch den kleinen Weiler Fornex. Hinter dem Ort wurde es wirklich steil. Eine Pause hatte ich in Liddes eingeplant. Ich holte mir in der Touristeninformation einen Stempel und ging weiter zum Supermarkt. Nach dem Aufstieg war das Frühstück des guten Hotels schon „verbraucht“. Gestärkt ging ich weiter zur Kapelle Saint-Étienne. Jetzt folgte ein ganz besonders schönes Wegstück. Ich traf eine Wanderin. Ich erzählte ihr von meinem Vorhaben bis nach Rom zu wandern. Natürlich wünschte sie mir viel Glück für die weitere Reise.

Ich war bereits vor dem Mittagessen, an meiner letzten Station vor der eigentlichen Alpenüberquerung, am St. Bernhard angekommen. Der kleine Ort trägt den Namen Bourg St.-Pierre. Zuerst versuchte ich die Touristeninformation zu finden, die es lt. Reiseführer gab. Erste Fehlanzeige. – Dann versuchte ich die Pilgerherberge zu finden, die es ebenfalls lt. Reiseführer gab. Zweite Fehlanzeige. Nun suchte ich die Gemeindeverwaltung auf um nach der Herberge zu fragen. Die Dame am Empfang konnte leider kein Deutsch oder Englisch. So suchte ich lieber selber weiter, denn ich ging gefühlsmäßig davon aus, dass sie auch meine wenigen Worte Französisch nicht verstehen wird!

Also ging ich zurück zur Hauptstraße, in der sich mehrere Hotels und Pensionen befanden. An einem der Hotels fand ich den Hinweis „Droat“, was so viel wie Gemeinschaftzimmer heißt. Der Wirt gab mir den Zimmerschlüssel mit dem Hinweis: „Da werden Sie heute wohl der einzige Pilger sein!“ Das Zimmer hatte 15 Betten und einen Fernseher. Immerhin ein wenig Unterhaltung. Nach einer kleinen Siesta besichtigte ich den Ort. Ein schönes Bergdorf in der Schweiz – auch die Pilgerherberge und die Touristeninformation fand ich nun. Wo waren sie nur vorher? Es war ziemlich kühl. Man merkte die Höhenmeter. Was sollte ich nun mit dem angebrochenen Nachmittag anfangen? Im Fernsehen liefen Kochsendengen und der übliche Blödsinn.

Auf meinen ersten Weg nach Santiago de Compostela stellte ich nach ein paar Tagen fest, wie schön es eigentlich ist, wenn man weder Fernseher noch Internet hat. Es stellte sich so eine Ruhe ein.

Hier und heute war mir der Fernseher ganz angenehm. Ich dachte nur daran, dass am nächsten Tag der höchste Punkt meiner Reise erreicht sein wird. Ich ging früh zu Bett und schief auch sehr schnell ein. Der Wirt sollte Recht behalten – es kam kein weiterer Pilger.
Wegverlauf: Orsières – Fornex – Liddes – Bourg-Saint-Pierre (rund 16 km – anstrengend)

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Kapelle Saint Étienne in Liddes

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Kleine Weiler am Weg – Reißender Gebirgsbach – Kirche Liddes – Zentrum Liddes

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Panorama zwischen Liddes und Bourg-Saint-Pierre

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Erster Blick auf Bourg-Saint-Pierre – Schneebedeckt! – Blick auf Kirche – So geht es weiter…

 

30. Mai 2009 – Hospiz St. Bernhard
Im Schneesturm über den Berg

Mir wurde gesagt, dass die Straße für den Autoverkehr noch nicht freigegeben sei, aber sie sei bereits geräumt und für Fußgänger passierbar. Es ging steil bergauf und noch an ein paar Almen erblickte ich die Mauer des Stausees. Am Stausee angekommen, sah man die ersten Wolken aufziehen. Ich war aber immer noch guter Hoffnung, dass diese sich wieder verziehen würden. Nach und nach schwand aber diese Hoffnung.

Immer stärkere Wolken stiegen hinter den Bergen hervor und schließlich begann es zu regnen. Ich wartete an einer verschlossenen Berghütte, doch der Regen wollte nicht aufhören. Der Weg zurück zum letzten Bergdorf hätte wohl die gleiche Zeit beansprucht, wie der Weg bis zum Hospiz. Rückwärts nimmer, vorwärts immer – So ging ich zuerst noch auf den Fußweg weiter. Als die Schneegrenze erreicht war, so bei der verlassenen Alm“ Alpage de la Pierre“ (gehörte der Mönchgemeinschaft auf dem Pass), musste ich auf die Autostraße ausweichen, was mir ganz recht war, denn obwohl die Straße noch gesperrt war, waren bereits viele Motorräder unterwegs. Im Notfall hätte mich wohl einer mitgenommen. Aus dem Regen wurde Schnee – aus den leichten Schneeflocken ein Schneesturm. Da ich irgendwie mit so etwas vor der Abreise rechnete, hatte ich mir zwei alte Pullover mitgenommen, schon mit dem Hintergedanken sie im warmen Italien zu entsorgen. So ging ich also mit zwei Pullovern und Regenhaut bergauf. An eine Pause war nicht zu denken. Nach unzähligen Kehren tauchte im Schneesturm das Hospiz auf.

Ich kam mir vor wie auf einem Gemälde aus dem Mittelalter, welches ähnlichen Szenen zeigt. Obwohl ich wusste, dass es auf dem Pass eine Pilgerherberg gibt, zog ich eine Übernachtung im Hotel vor. Das Hotel hatte nämlich ein Pilgerzimmer, das ich diesen Tag mit keinem anderen Pilgern teilen musste. Zuerst machte ich einen ausführlichen Mittagsschlaf, dann ging ich in das Lokal zum Essen. Das schlechte Wetter war vorbei und die Sonne kam hervor. Ich kam ins Gespräch mit ein paar Fahrradpilgern, die sich noch am späten Nachmittag Richtung Aosta aufmachten. Da mein Reiseführer total durchnässt war, musste ich ihn unbedingt trocknen. Ohne dieses Büchlein wäre die Reise wohl zu Ende gewesen. Ich war auch ganz stolz, dass ich den höchsten Punkt meiner Reise jetzt erreicht hatte.

Dieser Alpenübergang hat eine lange Geschichte. Bereits zu römischer Zeit ließ Kaiser Claudius im Jahr 47 eine befahrene Straße bauen. Da die Schneedecke sehr hoch war, sah ich von den römischen Felsenstufen leider nichts.
Wegverlauf: Bourg-Saint-Pierre – Großer Sankt Bernhard (rund 13 sehr anstrengende Kilometer)

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Stausee am Weg zum Col du Grand-Saint-Bernard

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Alpage de la Pierre – Schneegrenze – Aufzug des Scheesturms – Scheesturm

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Col du Grand-Saint-Bernard – Im 11. Jahrhundert wurde auf der Passhöhe das Hospiz gegründet

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Der Sturm zieht ab – Bett im Hotel – Der nächste Morgen – Abstieg im Schnee

 

31. Mai 2009 – Aosta
Der ganz lange Abstieg

An folgenden Tag wartete herrlicher Sonnenschein auf mich. Nach den Anstrengungen vom Vortag belohnte ich mich erst einmal mit einem Frühstück und ging gegen 8 Uhr los. Die ersten Kilometer mussten wieder auf der Autostraße bewältigt werden, da noch sehr hoch Schnee lag. Es war sehr glatt auf der Straße, da Schmelzwasser über den Teer lief.

Im Ort Saint-Rhémy begrüßte mich eine Informationstafel der Via Francigena. Unterhalb der Schneegrenze ging es dann auf der historischen Route weiter Richtung Etroubles. Hier hatte ich bereits rund 1.200 Höhenmeter bergab überwunden. Ich weiß, dass für mich der Abstieg immer das Schlimmste ist. So spürte ich wohl jeden Höhenmeter in meinen Knochen. Es war ein Sonntag und in Etroubles ging ich zum Mittagessen. Nach wenigen Kilometern kam ich an einer Herberge vorbei. Es war aber zu früh um den Pilgertag schon ausklingen zu lassen. Es ging weitere 700 Höhenmeter hinab, teils an Bachläufen, teils an befahrenen Straßen. Die Wegmarkierungen waren alles andere als vorbildlich. Vermutlich führte mich nur mein Instinkt immer wieder auf den richtigen Pfad. Ich hatte für den Tag wesentlich länger gebraucht, als eingeplant. Es ging durch den Ort Gignod und weiter nach Signayes.

Endlich erreicht ich die ersten Häuser von Aosta und dann den historische Kern. Auf dem Hauptplatz war die Touristeninformation nicht geöffnet. Aber immerhin hatte die im Führer genannte Pension „La Belle Epoque“ ein Bett für mich.
Meine erste Pilgerschaft nach Santiago hatte ich ohne Stöcke gemacht. Ich hatte die „Nordic-Walking-Pilger“ belächelt. Als ich dann auch einmal diese Stücke versuchte, bin ich auf den Geschmack gekommen. Die Probleme in den Beinen werden dadurch wesentlich minimiert. Eine britische Pilgerin bezeichnete ihre beiden Stöcke gar als „My best friends“!!!
Wegverlauf: Großer Sankt Bernhard – Saint-Rhémy – Etroubles –Echevemoz – Gignod – Aosta (rund 38 sehr sehr anstrengende Kilometer)

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Echevennoz auf 1.233 Metern

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Begrüßung in Italien – Etroubles – Entlang des Bewässerungskanals – Aosta vom Hotelzimmer

 

1. Juni 2009 – Verrayes
Den Vortag in den Knochen

Am frühen Morgen ging es raus aus Aosta. Man erreicht den Triumphbogen des Augustus und anschließend eine Steinbrücke aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Entgegen meiner Erwartung ging es nicht eben im Aosta-Tal, sondern kreuz und quer entlang der Berge durch kleinere Dörfer. So richtig fand ich den Weg nicht, einmal musste ich sogar einen steilen Hang hinabklettern. Mir war aber klar, dass ich immer dem Aosta-Tal folgen muss.

Als Highlight des Tages erreichte ich das Castello di Quart, dessen älteste Teile aus dem Jahre 1.185 stammen. Ich pilgerte weiter bis zum Ort Nus. Ich war erst 15 Kilometer gelaufen und nach Saint-Vincent waren es noch 19 Kilometer. Da der Weg wieder schlecht ausgeschildert war, beschoss ich auf der Nationalstraße SS 26 zu gehen. Auf einmal tauchte ein Hotel auf, etwa fünf Kilometer hinter Nus. Ich wollte nicht mehr weiter und beschloss, dass dies meine „Pilgerherberge“ sein wird. Glücklich legte ich mich in das große Doppelbett.
Wegverlauf: Aosta – Castello di Quart – Nus – Verrayes (rund 20 einfache Kilometer)

 

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Römerbrücke in Aosta

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Triumphbogen – Letzter Blick auf Aosta – Wergmarkierung – Weiter…

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Kirche Sant’Illario in Nus

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Historische Brücke – Castello di Quart – Kirche in Quart – Die VF folgt dem Aostatal

 

2. Juni 2009 – Berriaz
Verlaufen – aber unter guten Sternen

Heute musste ich gleich wieder lernen, dass die Via Francigena nicht der Jakobsweg ist. Ich wollte um 7 h los, doch im Hotel war alles noch geschlossen. Gegen 8 h wurde endlich aufgesperrt. Das Frühstück gab es dann um Halb 9 und so richtig in die Gänge kam ich um 9 h. In Spanien hatte ich um diese Zeit schon 10 Kilometer hinter mir.

Aber besser spät als nie. Da ich keine brauchbaren Wegmarkierungen fand, ging ich erst einmal auf der Hauptstraße bis Châtillon. Im Ort hatte ich wieder Wegmarkierungen gefunden. Es war kurz vor Mittag und ich stärkte mich im Supermarkt. Der Weg führte weiter in den sehr schönen Ort Saint-Vincent.

Nach ein paar Kilometern stand ich vor dem nächsten Problem. Der Wegweiser lag zerstört auf dem Boden und der Weg hatte drei Optionen. Ich versuchte die erste Möglichkeit, stellte aber nach rund einem Kilometer fest, dass dieser Weg zurück, in die Falsche Richtung führt. Also wieder einen Kilometer zurück bis zum zerstörten Wegweiser. Die zweite Option führte rund 2 Kilometer in die richtige Richtung. Leider wurde der Weg immer schmäler und endete schließlich an einem Steilhang. Ich wollte nicht mein Glück als Bergsteiger versuchen. So ging ich wieder die ganzen zwei Kilometer zurück. Die dritte Möglichkeit führte steil bergauf zu einem Schloss. Das wollte ich jetzt nicht auch noch ausprobieren… Ich beschloss daher, auf der stark befahrenen SS 26 zu gehen.

Diese schlängelt sich an den Felswänden entlang. Diese Straße zu gehen war nicht ungefährlich. Ich band mein gelbes Rucksack-Regencap auf einen Trekkingstock, quasi als Fahne, um besser gesehen zu werden. Mir war nicht ganz wohl bei dem Gedanken, diese Straße jetzt laufen zu müssen. Doch während der ganzen Zeit als ich diese gefährlichen Kurven lief, kam wie durch ein Wunder kein Auto. Es war wohl ein Schutzengel.

Ich ging weiter auf der SS 26 bis ich nach Berriaz kam. Die Pizzeria des Ortes hatte Gästezimmer für Pilger. Am Abend belohnte ich mich mit einer großen Pizza und einem Salat.
Wegverlauf: Verrayes – Châtillon – Saint-Vicence – Berriaz (rund 20 einfache Kilometer)

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Châtillon – Doppelbogenbrücke

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Châtillon- Gefährliche Strecke – Blick ins Aostatal – Berriaz, ein Ortsteil von Montjovet

 

3. Juni 2009 – Pont-Saint-Martin
Zwei Mal abgewiesen, aber dann Luxus

Wie durch einen Zufall fand ich am Morgen, rund 100 Meter entfernt von der Pizzeria einen Pfeil der VF. Es ging durch den Ort Verrès, wo man über der Stadt die etwas sonderlich wirkende Burg erblicken kann. Nach ein paar Kilometern kam ich zur wohl schönsten Kirche der Via Francigena. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, aber die Basilika von Arnad mit ihren Fresken an den Außenwänden, war für mich die schönste Kirche der Reise.

Auf dem Weg nach Santiago habe ich mich oft gefragt, wie die Pilger vor fast 1.000 Jahren wohl gereist sind. Es heißt, dass sie ihr Testament machen mussten, da die Reise sehr gefährlich war.

Und jetzt stand ich hier vor der nahezu 1.000 Jahre alten Kirche. Auch wenn der Tag noch lang war, die Zeit für eine gründliche Besichtigung nahm ich mir.

Hinter Arnad waren die Autobahn und der Fluss Dora zu queren. Es ging auf einfachen Wegen nach Hône und weiter nach Bard. Mein Reiseführer nannte eine einfache Pension und ein einfaches Hotel. Da Pilger immer etwas sparsamer reisen als Touristen, fragte ich in der Pension nach einem Bett. Die Betreiberin gab mir zu verstehen, dass sie kein Bett frei habe. Sicherlich eine Ausrede. – Im nächsten Hotel ähnliches Spiel: „Wir sind eine Pizzeria und kein Hotel!“ Warum hatte er wohl ein Hotelschild am Haus? – Auch im Mittelalter wurden Pilger oft Landstreichern gleichgestellt.

Wer in Spanien am Camino Francés pilgert, wird mit derartigen Problemen niemals konfrontiert sein. Egal wie gut das Hotel ist, man wird immer aufgenommen. Jeder Hotelier weiß, dass Jakobspilger in der Regel genug Geld haben und freiwillig diese Art von Reise machen.

Immerhin nach ein paar Kilometern folgten weitere Höhepunkte. Die originale Römerstraße und der Römertunnel von Donnas. Donnas wirkte leicht gespenstig. Es war am frühen Nachmittag und wieder einmal Siesta. Hinter Donnas sollte der Weg über die Weinberge weitergehen. Ich nahm die Abkürzung über die Hautstraße. Ich kam gegen 4 Uhr in Pont-Saint-Martin an. Jetzt musste ich unbedingt ein Bett finden. Im Ort sah ich ein sehr gepflegtes Hotels. Um mein Glück bei der Zimmersuche zu verstärken, nahm ich meinen Pilgerausweis und ein paar 50er-Scheine in die Hand und ging ins Hotel. Ich wurde sofort sehr freundlich eingecheckt und ich bekam ein Getränk auf Kosten des Hauses. Die Besitzerin begleitete mich auf mein Zimmer und war sehr an meiner Rompilgerschaft  interessiert.

Ich machte große Wäsche und ging anschließend in den schönen Ort um mir etwas zum Essen für den Abend zu kaufen. Bei dieser Gelegenheit machte ich das Bild von der Brücke, die dem Ort seinen Namen gab.
Wegverlauf: Berriaz – Arnad – Bard – Donnas – Pont-Saint-Martin (rund 25 einfache Kilometer)

 

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Basilika San Martino in Arnad aus dem Jahr 1020

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Sonnenuhr – Vorplatz – Fresken – Sperrfestung Bard

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Donnas – Felsenbogen über der römischen Straße und ein Meilenstein

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Tunnel – Wagenspuren – Kirche – Innenstadt mit Enrielli-Haus

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Pont-Saint-Martin – Römische Brücke aus dem 1. Jahrhundert

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Torredaniele – Zentrum – Römerstraßen bei Cresnola

 

4. Juni 2009 – Ivrea
Geisterweg und Übernachtung im Ostello

Nach einem wunderbaren Frühstücksbuffet ging es los. Man gab mir im Luxushotel noch einen Rabatt von 15 Prozent, da ich ja Pilger sei. Der Weg führte durch viele kleine Dörfer, oft auf alten Römerpflastern.

In Torredaniele hatte ich wieder das gleiche Gefühl wie am Vortag. Die Kirche und die Wegpflaster, alles wie vor Hunderten von Jahren.

Gegen Mittag erreichte ich die im Reiseführer beschriebene Baumaterialienhandlung ALLAMONNO in Borgofranco d‘Ivrea, wo der Waldweg abzweigen sollte. Doch wo war nun dieser Abzweig? Wie immer auf meinen Wegen, kam auch heute ein helfender Fußgänger mit Hund. Er beschrieb mir den Weg, klopfte auf meine Schulter und sagte: „Immer den Berg zu deiner Linken.“ Der Feldweg führte durch den Wald an einem gespenstig anmutenden Haus vorbei und erreichte schließlich den Ort Montalto Dora. Der Ort wirkte wie ausgestorben. Es war früher Nachmittag und Siesta. Ich ging durch den verlassen wirkenden Ort und folgte der Markierung der Via Francigena. Hinter Montalto Dora ging es hoch zu einem kleineren See und weiter zur Kapelle San Pietro. Von hier aus sei es nicht mehr weit zum Ostello, sagte mir ein „Schrebergärtner“.

Mir wurde ein schönes Zimmer zugewiesen. Vom Ostello führt ein relativ steiler Weg hinab in die Stadt. Unter angekommen wird man von einem deutschen Supermarkt mit 4 Buchstaben begrüßt. Eine einmalige Einkaufsgelegenheit!  Besichtigt habe ich noch Schloss und Dom.

Zufrieden ging ich ins Bett mit der Gewissheit, dass die Alpen bezwungen wurden und jetzt die Poebene wartet.
Wegverlauf: Pont-Saint-Martin – Torredaniele – Borgofranco de Ivréa – Montalto Dora – Ivréa (rund 30 mittelschwere Kilometer)

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Montalto Dora zur Mittagszeit

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Ivazio – Feldweg nach Borgofranco d’Ivrea – Borgofranco – Waldweg hinter Montalto Dora

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Ivrea – Schon immer ein wichtiger Pilgerort

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Capilla San Pietro – Castello Ivrea – Ostello Salesiano Eporediese – Zentrum Ivrea

 

5. Juni 2009 – Santhià
Die 4.000-Einwohner-Stadt

Am nächsten Tag startete ich wieder sehr früh. Ich suchte heute nicht nach Wegmarkierungen, sondern ging den Verkehrszeichen folgend aus der Stadt heraus. Im Dorf Bollengo fand ich wieder einen Aufkleber „VF“. Weiter ging es nach Piverone, einen Ort mit einem wunderbaren Turm.

Der Weg führte sehr malerisch weiter nach Viverone am gleichnamigen See. Aus einiger Entfernung sah ich schon Jemanden mit Rucksack auf mich zukommen. Es wird doch nicht etwa ein Pilger sein? Ja, es war eine Pilgerin aus der Gegend von Rom, die auf dem Weg nach Canterbury war. Sie erzählte mir, dass sie auch schon mehrere Male in Santiago war und einfach nicht mit dem wandern aufhören könne. Sie entschied sich daher, den Weg nach Canterbury zu gehen. Wir unterhielten uns noch einige Zeit, doch dann musste jeder seinen Weg weitergehen. Eigentlich Schade! Am Lago de Viverone angekommen, machte ich meine Mittagspause. Alles erinnerte mich an Italienurlaube, die ich als Kind erlebt hatte.

Die Via Francigena verlässt den Lago nach einigen Kilometern. Die Gemeinde Roppolo hat extra für die „vielen“ Pilger einen Pilgerrastplatz mit Tischen und Bänken eingerichtet. Ich ging wieter nach Cavaglià, wo ein Schloss aus rotem Backstein besonders auffällt. Es war früher Nachmittag und die Strecke nach Santhià, das Ende meiner geplanten Tagesetappe, betrug noch rund 11 Kilometer. Die Stadt wird durch ein Industriegebiet und anschließend über eine nicht endend wollende Straße erreicht. Mein Reiseführer schrieb von einer 4.000-Einwohner-Stadt! Ob man sich da nicht ein wenig verzählt hatte? In der Fußgängerzone angekommen machte ich zuerst Besichtigungsprogramm. Rathaus und die Kirche Santa Agata mit dem alten Glockenturm sind wohl die Highlights. Am späten Nachmittag ging ich auf Zimmersuche und wurde in einem Hotel am Bahnhof fündig. Von den Zügen hörte ich nichts, sonder schlief sehr, sehr gut.
Wegverlauf: Ivréa – Piverone – Viverone – Roppolo – Cavaglià – Santhià (rund 25 einfache Kilometer)

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Piverone – Torre Campanaria aus dem 13. Jahrhundert

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Bollengo – Kirche Piverone – Lago de Piverone – Pilgerdenkmal bei Roppolo

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Santhà – Kirche di Santa Agata – Der Glockenturm geht auf das Kloster aus dem 12. Jh. zurück

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Schloss in Cavaglià – Innensicht Santa Agata – Rathaus – Heute kreuzt die Bahn die VF

 

6. Juni 2009 – Vercelli
Zwei Pilger im Convento – Essen mit den Mönchen

Am Morgen waren die Bahngleise zu queren um wieder auf den historischen Streckenverlauf der VF zu gelangen. Die Poebene stand nun auf dem Tagesprogramm. Diese ist wohl am besten mit der Meseta in Spanien zu vergleichen.

Die Stecke führte zwischen Straße und Eisenbahn an ein paar Gehöften vorbei. Hier wird überall Reis angebaut. Nach ein paar Kilometern kommt man nach San Germano Vercellese. Ich machte eine kleine Pause und besichtigte die Kirche. Hinter dem Ort ging es weiter durch Reisfelder. Gegen Mittag war ein verfallen wirkendes Dorf namens Cascina Strà erreicht. Ich steckte meinen Kopf unter den Brunner bei der Kirche. Es war schwül und heiß, ein Gewitter kündigte sich an.

Es waren noch rund sechs monotone Kilometer bis nach Vercelli. Dort angekommen machte ich Stadtbesichtigung und besuchte die Basilika di Sant’Andrea . Die Übernachtungsmöglichkeit für Pilger lag etwas außerhalb des Zentrums. Es kam starker Wind auf. Noch vor Beginn des Regens war ich an der Klosterpforte. Ich läutete und sagte, dass ich Rompilger sei und ein Bett suche. Mir wurde sofort geöffnet. Der Mönch erzählte mir gleich, dass noch ein zweiter Pilger heute hier nächtigen werde. Es war Gioseppe, ein sehr rüstiger Frührentner, der sich nicht etwa Rom als Pilgerziel ausgesucht hatte, sondern gleich hinter Rom weiter nach Jerusalem wollte. Er war natürlich auch schon mehrere Male in Santiago. Bisher hatte ich erst drei Pilger getroffen. Den Belgier in Lausanne, den schnellen Holländer in Vevey und die Italienerin auf dem Weg nach Canterbury.

Gioseppe konnte gut Englisch, so dass auch die Verständigung sofort klappte. Am späten Nachmittag kam ein Mönch und stempelte unsere Pilgerausweise. Wir sollten zum Abendessen kommen, das nach der Messe stattfand. Es gab Pasta, Salat, Fisch und Zitronenlimonade aus eigener Herstellung. Nach dem Abendessen ging es dann zu Bett. Die erste Nacht als Pilger unter „Pilgern“.
Wegverlauf: San Germano Vercellese – Cascina Strà – Vercelli (rund 20 einfache Kilometer)

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Schneebedeckte Alpen hinter den Reisfeldern

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Reis – Reis – Reis – Reis

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Basilika di Sant’Andrea aus dem 13. Jh. in Vercelli

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Kirche in San Germano – Innenansicht – Gehöft Kirche Cascina Strà – Convento di Belliemme

 

7. Juni 2009 – Mortara – S. Albino
Drei Pilger

Nach dem Frühstück gingen wir gemeinsam los. Die Via führte uns über Palestro bis zum Ort Robbio, bereits in der Lombardei gelegen. Hier hatte man einen wunderschönen Rückblick über die grünen Felder auf die schneebedeckten Alpen.

Gioseppe wollte in Robbio eine längere Pause einlegen. Da jeder Pilger seinen eigenen Rhythmus hat, ging ich alleine weiter. In der Herberge von San Albino sollten wir uns wieder treffen.

Vor Robbio ging ich gleich weiter bis Mortara. Es war inzwischen sehr heiß geworden. Gegen Mittag war die Stadt Mortara erreicht und ich erfrischte mich zuerst einmal am Brunnen. Die Via Francigena führte durch das Zentrum der Stadt und weiter nach San Albino. Auf dem Weg traf ich wieder auf Gioseppe und wir kamen gemeinsam an der Pforte des ehemaligen Klosters an. Der Hospiltalero öffnete uns. Es war ein Traum von Pilgerherberge – alles sehr gepflegt.

Nach ein paar Minuten traf ein weiterer Pilger ein. Giovanni, der sich auch auf dem Weg nach Rom befand. Er war mit einer Südtirolerin verheiratet, wodurch er ein wenig deutsch sprach. Jetzt stand erst einmal wieder Wäschewaschen auf dem Programm. Am Abend kam der Pfarrer der Gemeinde mit dem Pilgerstempel. Er war überrascht und gleichzeitig erfreut, dass gleich drei Pilger in der Herberge waren. Es gab reichlich zu Essen und Trinken. Gioseppe erzählte, welche Probleme er wohl auf dem Weg nach Jerusalem noch haben werde. Der Weg solle ihm zuerst auf der Via Appia nach Brindisi führen, dann über das Meer nach Griechenland und weiter auf dem Landweg nach Istanbul und durch die Türkei. Um dann von Syrien nach Israel einreisen zu dürfen, habe er ein Spezialvisum für Pilger, da die Einreise normalerweise nicht möglich sei. Leider weiß ich bis heute nicht, ob und wann er in Jerusalem angekommen ist.

Uns wurde noch das ehemalige Kloster mit seinen Wandgemälden gezeigt. Die Zeit der Gründung ist etwas widersprüchlich und schwankt zwischen 5. und 8. Jahrhundert.
Wegverlauf: Vercelli – Palestro – Robbio – Mortara – San Albino (rund 35 einfache Kilometer)

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S. Albino

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Palestro mit Kirchen San Martino di Tours – Ortstafel Robbio + VF – Innenansicht S. Albino

 

8. Juni 2009 – Gropello Cairoli
Schlafen zwischen Kleiderspenden

Am frühen Morgen gingen jetzt drei Pilger ihren Weg nach Rom. Erst Pause gab es in Tromello. Wir setzen uns in ein Straßencafé und sofort wollte jeder im Café etwas von den Rompilgern wissen. Nach ordentlicher Stärkung und vielen Gesprächen ging es schließlich weiter. Wir kamen nach Garlasco, einen größeren Ort, wo wir die Kirche besichtigten. Gegen Mittag folgte dann noch die restliche Strecke nach Gropello Cairoli.

Die beiden Italiener hatten bereits telefonisch im Pfarrhof unser Kommen angekündigt. So wurden wir schnell aufgenommen, unsere Pilgerausweise gestempelt und das Pilgerzimmer aufgesperrt. Dieses konnte man kaum betreten, dann es war fast bis unter die Decke mit Kleiderspenden für Afrika gefüllt. Zwischen den ganzen Säcken gab es aber noch Platz zum schlafen. Wir machten Siesta und gingen anschießend in eine Bar. Hier ging es weiter wie im Café am Vormittag. Alle wollten etwas von den Pilgern wissen. So wurde es später Nachmittag und schließlich Abend. Nach dem Abendessen wartete das einfache Bett zwischen den Kleiderspenden auf mich.
Wegverlauf: San Albino – Tromello – Garlasco – Gropello Cairoli (rund 29 einfache Kilometer)

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Tromello

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Hinweistafel VF – Garlasco mit Maria Assunta – Gropello Cairoli mit Chiesa San Giorgio Martire

 

9. Juni 2009 – Pavia
Mücken, Mücken, Mücken

Heute stand nur eine kurze Strecke auf dem Pilgerprogramm. Diese führte auf Nebenstraßen vorbei an vielen Gehöften. Der Dom von Pavia war schon von Weitem zu sehen. Die VF folgt nun dem Fluss Ticino. In der Nähe des Wassers ging es los –  Hunderte von Steckmücken flogen ihren Angriff auf den Rom-Pilger. Selbst meine Kleidung bot keinen Schutz. Ich ging trotz Hitze mit Pullover, Regenjacke und Kapuze, also vollkommen vermummt, meinen Weg. Trotzdem hatte ich am Abend unzählige Insektenstiche. Etwas ärgerlich auf der Stecke sind die ganzen Abfälle, die achtlos auf den Wegen weggeschmissen werden. Selbst vor der schönen Ponte Coperto macht diese Sorglosigkeit keinen Halt.

Zuerst folgte die Stadtbesichtigung von Pavia. Gioseppe wollte gleich drei Tag in Pavia bleiben und nahm sich deshalb ein Hotel. Der Dom war wegen Renovierungsarbeiten leider geschlossen und auch von außen machte er in seinem Vollgerüst nicht den ansehnlichsten Eindruck. Immerhin die Klosterkirche San Pietro in Ciel d’Oro konnte ich besichtigen. Dort fand gerade eine Kirchenführung für deutsche Touristen statt. Sie waren alle sehr erfreut, dass sie einen echten Rompilger zu sehen bekamen.

Am frühen Nachmittag machte ich mich auf zum Pfarrhof, wo Giovanni zwei Zimmer reserviert hatte. Wieder einmal hatte ich Glück, einer der Angestellten lernte gerade Deutsch. Im Pfarrhof hatte man uns Marken gegeben, mit denen man als Pilger in einem naheliegenden Lokal einen Rabatt bekam. So gingen wir zum Pilgermenü, was übrigens hervorragend schmeckte.
Wegverlauf – Gropello Cairoli – Canarazzo – Pavia (einfache 20 Kilometer, aber ein Kampf gegen Stechmücken)

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Ponto Coperto – In den Jahren 1351 bis 1354 errichtet, im Weltkrieg II zerstört, 1950 rekonstruiert!

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Dom – San Pietro in Ciel d’Oro – Castello Visconteo – Universität

 

10. Juni 2009 – Orio Litta
Die besonders lange Etappe

Heute war ich wieder allein, da Giovanni noch den Vormittag in Pavia bleiben wollte. Die Beschilderung hinaus aus der Stadt war nicht brauchbar und hinter Pavia fand ich meinen Weg auch nicht so ganz. Ich versuchte verschiedene Möglichkeiten und lief wohl schon einen Umweg von mehreren Kilometern.

So blieb wieder einmal die Autostraße, als die einzige zuverlässige Möglichkeit, um ans Ziel zu kommen. Es war sehr gefährlich, da sie SS 234 hier sehr eng ist. Gegen Mittag war ich in Carteolona angekommen und machte Picknick.

Es war ziemliche heiß und ich ging nach dem Essen in die Kirche, da es in Kirchen immer so schon kühl ist! Als mich eine Frau in der Kirche sah, kam sie gleich zu mir her. Sie lief zu Mesnerin, die gleich den Stemple für meinen Pilgerpass dabei hatte. Ich gab ihr zu verstehen, dass ich zweimal in Santiago war und nun nach Rom gehe. Die beiden Frauen waren sehr erfreut, dass ein so erfahrener Pilger in ihrer Kirche ist. Sie erzählten etwas von „MANGAIARE“ und ich schüttelte den Kopf, da ich dachte, sie wollen mich zum Essen einladen. Ich hatte doch gerade gespeist. Es war wieder einer der Tage, an denen ich merkte, dass Rompilger doch besser mehr Italienisch lernen sollten. Die eine Frau öffnete den Geldbeutel und wollte mir 20 € geben. Sie wollte mich nicht zum Essen einladen, sondern nur wissen, ob ich etwas zum Essen habe. Sie hatte wohl Angst, dass ein Rompilger verhungert. Natürlich nahm ich das Geld nicht an, sonder klärte das Missverständnis auf.

Hinter Corteolona schlängelt sich die Via Francigena über kleinere Nebenwege nach Santa Christina. Hier war ich bereits 26 Kilometer gewandert. In Santa Christina musste die SS 235 und die Bahn überquert werden. Angekommen auf der anderen Seite wies mir eine Frau den Weg nach Mirandolo Terme.

Es war ein mit wunderschönen Blumen bewachsener Feldweg. Inzwischen hatte ich die 30-Kilometergrenze überschritten. Nach meinem Reiseführer sollte aber im übernächsten Ort, in Chignolo Po eine Übernachtungsmöglichkeit sein. Schon von Weitem sah ich ein Schild Pensione. Als ich näher kam „Pensione Cani e Gatti“! Hi hi hi – Auch im Ort fand ich weder das beschriebene Hotel, noch die beschriebene Bed & Breakfast. Auch in der Bar des Ortes wusste man nichts von einer Übernachtungsmöglichkeit. Nun war auch die 35-Kilometergrenze überschritten. Ich konnte mich gerade noch überwinden von der Hautattraktion des Ortes, des Castello di Chignolo Po, ein Foto zu machen.

Es war schon am späteren Nachmittag, als ich nach weiteren 5 Kilometern im Dorf Lambrinia ankam. Hier konnte ich meinen Augen nicht glauben: Vor einer Bar das Schild „Pilgermenüs“. Ich ging in die Bar. Sie wurde von einem erfahrenen Jakobspilger geführt. Ich trank so drei Weißbiere (er hatte Franziskanerweiße), denn nun war auch die 40-Kilometermarke überschritten. Meine persönliche Grenze bei der Hitze sind wohl die 41 Kilometer des Marathons. Ich stärkte mich mit Erdnüssen, denn es ging nochmals 5 Kilometer weiter. Ein wenig benebelt von den schnell getrunkenen Weißbieren kam ich schließlich in Orio Litta an.

Mein Reiseführer sagt, dass man den Schlüssel für die Pilgerherberge in der Bar im Zentrum bekomme, oder gleich zu Herrn Cappelletti gehen solle. In der Bar zeigte man mir das Haus des beschriebenen Herrn. Seine Frau öffnete mir die Tür und gab mir den Schlüssel für die Herberge. Ich fiel etwas erschöpft und doch glücklich nach den 45 Kilometern ins Bett.
Wegverlauf: Pavia – Corteolona – Santa Christina e Bissone – Chignolo Po – Mirandolo Terme – Lambrinia – Orio Litta (rund 43 lange Kilometer, wenn man sich nicht verläuft!)

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Weg bei Santa Christine e Bissone – Hier verläuft die VF neben der Bahnlinie

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Carteolona – Santa Christina – Chignolo Po – Castello di Chignolo Po

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Orio Litta – Barockpalast Villa Litta Carini aus dem 17. Jh.

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Lambrinia – Blick auf Orio Litta – Kirche – Pilgerheim

 

11. Juni 2009 Piacenza-Montale
Auf der richtigen Straße – aber noch 10 Kilometer

Der Pilgermarathon vom Vortrag war geschafft und der Blick ging wieder Richtung Rom. Signore Cappelletti begleitete mich aus dem Ort hinaus zum Weg nach Corte St‘Andrea. Vorher musste ich aber unbedingt etwas in das Pilgerbuch des Ortes schreiben. Im Buch fand ich auch einen Eintrag vom „schnellen Holländer“, den ich auf meinem Weg in Vevey traf.

Es waren nur 5 Kilometer bis zur „Fähre“. Der Gutshof Corte St’Andra war schnell erreicht. Im Wirtshaus des Gutes fragte ich nach dem Boot über den Po. Signore Cappelletti hatte mich bereits angemeldet. Man gab mir zu verstehen, dass ich noch ein wenig warten müsse, da noch ein weiterer Pilger für die Überfahrt komme. Es war Giovanni, der sich die gestrige Etappe wohl besser einteilte als ich. So gegen 11 Uhr kam dann der Fährmann und wir wurden über den Po gebracht. Für 5 € kamen wir heil am anderen Ufer an. Giovanni nächtigte in der Herberge am Ufer. An ihr hängt eine Tafel mit den Entfernungen nach Santiago, Rom und Jerusalem. Pilger Gioseppe hatte also noch gute 3.000 Kilometer vor sich. Giovanni reservierte mir noch ein Zimmer in Piacenza und wir verabschiedeten uns vorerst.

Calendasco, der nächste Ort, war schnell erreicht. Ich machte eine kleine Mittagspause und es ging weiter nach Piacenza. Nach der Ruhe der Dörfer am Po hatte mich nun das Stadtleben wieder. Das Zentrum von Piacenza erreicht der Pilger über eine lange Straße durch Industriegebiet. Die Altstadt entschädigt aber für die letzten Kilometer. Ich hielt mich nicht sehe lange in der Stadt auf. Die Mittagshitze war nicht zu unterschätzen.

Kerzengerade durch Vororte und Gewerbegebiet zieht sich der Weg auf fast 10 Kilometern zur Herberge. Sie befindet sich auf Hausnummer 189 der Via Emilia. Den Schlüssel gab es „einige Häuser“ (rund 2 Kilometer) vorher in einem Kloster. Man erwartete mich schon zur Schlüsselübergabe. (Den Schlüssel muss man am nächsten Tag nur in der Herberge liegen lassen …… Keine Angst, es gibt am nächsten Tag keine 4 Extrakilometer.)
Wegverlauf: Orio Litta – Corte St’Andrea – Soprarivo – Calendasco – Piacenza-Montale (30 Kilometer, davon ein paar mit der Fähre – einfach)

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Corte Sant’Andrea mit Kirche

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Hinweistafel VF – Der Gutshof Sant’Andrea gehört zur Abtei in Santa Christina

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Überfahrt über den Po – Mit einer Länge von 652 km ist er der längste Fluss Italiens

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Das Pilgerboot – Stele – Fußabdruck – Pilgerherberge

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Palazzo del Governatore in Piacenza

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Palazzo Gotico – Die Piazza del Cavalli (Zwei barocke Reiterstandbilder) – Ostello S. Pietro

 

12. Juni 2009 – Chiaravalle della Colomba
Kloster geschlossen – Übernachtung im Hotel

Auch der heutige Tag begann nicht mit Pilgerromantik. Die VF führte weiter geradeaus durch viele kleine Orte. In Pontenure machte ich Frühstück. Nach zirka 10 Kilometern war Fiorenzuola erreicht, eine nette kleine Stadt. Ich ging zum Zentrum und fragte nach dem Weg nach Chiaravalle della Colomba. Ich bekam nur als Antwort, dass dies sehr schwer zu erklären sei. Aber wie üblich findet der Pilger auch so seinen Weg. Es ging endlich wieder über kleinere Nebenstraßen, die der Wanderer so liebt. Kurz vor der Abtei hielt mich eine Frau an, die gerade im Garten arbeitete. Wir versuchten uns so gut wie es geht zu verständigen. Rompilger haben auch heute noch einen hohen Stellenwert und müssen von ihren Erfahrungen berichten.

In Chiaravalle della Colomba, einem Zisterzienserkloster, frage ich einen Mönch nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ich wurde sofort etwas unhöflich auf das Hotel verwiesen, das wohl auch zum Klosterkomplex gehört und vom Feinsten war. Pilger suchen normalerweise keinen derartigen Luxus. Nach dem einchecken im Hotel besichtigte ich die Klosteranlage. Im Kreuzgang war gerade eine Ausstellung und die ganze Kirche wurde mit einem Blumenteppich geschmückt. Vielleicht wollten sie aus diesem Grund keine Pilger haben.
Wegverlauf: Montale – Pontenure – Fiorenzola d’Arda – Chiravalle della Colomba (rund 20 einfache Kilometer)

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Chiaravelle della Colomba – Die Zisterzienserabtei wurde im Jahr 1.147 gegründet

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Hotel – Kreuzgang – Blumenteppich für Fronleichnam

 

13. Juni 2009 – Costamezzana
Die Schweizer Garde

Vom Kloster ging ich mehr nach Gefühl als nach Reiseführer weiter. Nach einer Stunde sah ich in einiger Entfernung einen Pilger. Es war Giovanni. Wir gingen wieder ein wenig zusammen. Jetzt folgte eine sehr monotone Straße nach Fidenza. Hier machten wir zuerst die Dombesichtigung, das Pflichtprogramm für jeden Pilger.

Gegenüber dem Dom befindet sich die Touristeninformation. Hier hat auch die „Associazione Europea Della Vie Francigne“ ihren Sitz. Einige Wochen bevor ich mich auf meine Reisen machte, bestellt ich dort den Pilgerausweis. Ich fügte dem Briefumschlag einen 10-€-Schein bei. Bereits am übernächsten Tag wurde mir per „Einschreiben“ der Pilgerausweis zugestellt.

Wir wollten uns natürlich hier die Pilgerstempel holen. Der ältere Herr des Vereins war natürlich sehr erfreut über uns Pilger. Wir wurden bestimmt länger als eine Stunde aufgehalten. Man gab uns auch noch ein Kartenmappe mit der Aufschrift „Camino de Europe – Santiago – Rom“!

Giovanni wollte hier in Fidenza bleiben. Ich merkte inzwischen, dass meine Zeit bis zum geplanten Zwischenziel in Lucca, etwas knapp werden könnte. So musste ich nach der Mittagspause noch einige Kilometer gehen….

Nun warteten die ersten neuen Berge auf mich. Das Wort „Berge“ hatte ich die letzten Tage aus meinem Wortschatz gelöscht. Es waren zwar nur die ersten kleineren Hügel, aber man merkte, es geht aufwärts zum kleinen Ort Costamezzana. Das Ostello war schnell neben der Kirche gefunden. In einem kleinen Geschäft wurden die Schlüssel für die Herberge aufbewahrt. Die Ladeninhaberin ging mit mir ins Ostello und erzählte mir, dass heute noch drei Soldaten der Schweizer Garde hier nächtigen werden. Sie gehen nach Ende ihres Dienstes auf der VF zurück in die Schweiz.

Am frühen Nachmittag trafen sie ein. Sie erzählten von ihrer Zeit im Vatikan. In Italien wird für bayerische Verhältnisse oft sehr spät gegessen. Im Ort gab es eine Gaststätte, die aber erst ab 19 Uhr Speisen anbot. Für die Schweizer Garde machte man eine Ausnahme – Sie wurden bereits am späten Nachmittag mit Schinken, Käse, Brot und Wein bedient. Ich musste bis 19 Uhr warten. Es ist eben doch ein Unterschied, ob man Soldat des Papstes, oder nur einfach Rompilger ist!
Wegverlauf: Chiravalle della Colomba – Fidenza – Cabriolo – Costamezzana (rund 25 mittelschwere Kilometer)

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Fidenza – Altes Rathaus

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Auf der befahrenen Straße – Skulpturen von Pilgern – Domeingang – Innenansicht

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Schattig in Richtung Costamezzana

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Es wird wieder bergig – Hinweistafel – Kirche in Costamezzana – Blick vom Pilgerhaus

 

14. Juni 2009 – Cassio
Wann kommt das Ende des Tages?
Es wartete ein langer Tag auf mich. Am frühen Morgen waren bereits einige Hügel zu überwinden. Im Reiseführer wurde vor unfreundlichen Hunden gewarnt. Ich hatte dieses Mal noch Glück, vermutlich machten die Hunde gerade Frühstück.

Medesano war am frühen Vormittag erreicht. Da ich wusste, dass der Tag noch lange werden wird, benutzte ich wieder die Hautstraße und nicht den Pilgerweg. Kurz vor Mittag war ich in Fornovo di Taro. Ich besichtigte die Kirche. Nach dem Mittagessen in einem türkischen Imbiss ging es weiter. Noch 22 Bergkilometer! Am Ortsausgang steht ein Brunnen, an dem die Pilger ihren Durst stillen können.

Es ging über viele Serpentinen immer wieder aufwärts. Irgendwann kommt man zum Dorf Terenzo. Hier war es bereits später Nachmittag. Die Pause fiel daher etwas kurz aus. Meine Gedanken waren bei der Alpenüberquerung.

Der erfahrene Pilger weiß, dass jeder Tag einmal ein Ende hat. Auch hier in Italien war es wieder so. Am frühen Abend war der Ort Cassio auf 815 Metern erreicht. Kurz hinter dem Zentrum gibt es ein Ostello und ein Hotel. Ich entschied mich für das Hotel. Die Dame an der Rezeption machte einen seltsamen Eindruck. Das Haus hatte sicher seine besten Jahre hinter sich. Im Nebenzimmer war laute Unterhaltung von mehreren Männern zu vernehmen. Vielleicht ist es oft besser, wenn man kein Italienisch versteht.

Ich wusch meine verschwitze Kleidung, ging noch auf ein kleines Abendessen und dann früh und glücklich in meine Bett. Im Nebenzimmer war es noch sehr lange, sehr laut …… Ich hatte trotzdem schöne Träume ….
Wegverlauf: Costamezzana – Fornovo di Taro – Cassio (rund 39 harte Kilometer)

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Fornovo di Taro – Romanische Pfarrkirche Pieve di Santa Maria Assunta

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Über den Fluss Taro – Fornovo – Relief der Höllenqualen – Zentrum

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Cassio – gelegen auf 815 m

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Der Aufstieg – Blick Richtung Canossa – Pass-Straße – Ostello della VF

 

15. Juni 2009 – Pontrémoli
Bergab habe ich ein Auto benutzt!

Ich verzichtete wieder einmal auf das Frühstück. Inzwischen hatte ich gelernt, dass dies wohl die einzige Möglichkeit ist, in Italien früh losgehen zu können.

Auf der SS 62 ging es bis zum nächsten Ort Cavazzola di Sopra. Abwechselnd auf der Straße, durch kleine Dörfer und durch den Wald erreichte ich so gegen 10 h mein erstes Etappenziel Berceto.

Ich besichtigte den Dom, geweiht dem Bischof Moderanno, der im Mittelalter auf der Via Francigena nach Rom pilgerte. Anschließend holte ich das Frühstück nach.

Nach Berceto folgt der höchste Punkt, der Monte Valoria, mit 1.229 Metern. Es geht leicht bergab zum Passo della Cisa. Hier ist auch die Grenze zur Toskana erreicht.

An die Tatsache, dass man in Italien wohl die meiste Zeit alleine pilgern muss, hatte ich mich inzwischen gewöhnt. Zur Unterhaltung habe ich meine Musik auf MP3, sowie auch ein paar Hörbücher dabei.

Jetzt musste ich unbedingt noch zur Kapelle hinaufsteigen. Ein Aufstieg der sich lohnt. Kirchen am Weg geben dem Pilger immer eine Zwangspause und eine innere Einkehr.

Hinter dem Pass folgt der Abstieg nach Portémole. Wie schon bekannt, liebe ich keine Abstiege in den Bergen. Es bot sich eine Mitnahmemöglichkeit im Auto. Eine Möglichkeit, die ich einfach nicht ausschlagen konnte.

An der Tankstelle in Portémole stieg ich aus. Mir blieb jetzt natürlich noch Zeit für die Stadtbesichtigung. Als Pilger besichtigte ich natürlich ausführlich den Dom und dafür etwas kürzer das Castello…..

Besonders schön sind die Meilensteine auf diesen Wegabschnitt. Tonkacheln mit einem Pilger. In einem Souvenierlanden entdeckte ich so eine Kachel. Jetzt hatte ich neben der Kartentasche auch noch diese Kachel. Sie war nicht schwer und außerdem näherte sich der erste Teil meiner Fußpilgerschaft sowieso schon dem Ende.
Wegverlauf: Cassio – Berceto – Passo della Cisa – Pontrémoli (rund 39 sehr harte Kilometer, die ich mir etwas leichter gemacht habe…..)

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Berceto – Via Romea

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Wegmarkierung – Ein Pilger – Berceto – Dom aus dem 12. Jh.

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Kapelle am Passo della Cisa

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Passhöhe 1.041 m

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Pontémole – Wunderschön gelegen auf 235 Metern

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Erster Blick auf die Stadt – Castello del Piagnario – Duomo – Innenansicht

 

16. Juni 2009 – Villafranca
Das schöne Hotel im malerischen Ort

Für heute hatte ich mir nur 13 Kilometer bis Villafranca vorgenommen. Hierdurch konnte ich länger ausschlafen. Außerdem blieb am Tagesbeginn noch Zeit für einen kleinen Stadtbummel.

Ich wählte die Autostraße Richtung Villafranca. Die Route führt über Filattiera. Hier besichtigte ich die Kirche. In der Kirche waren gerade französischen Touristen. Ich erzählte ihnen, dass ich zu Fuß auf dem Weg nach Rom bin.

Der Reiseführer nannte ein schönes Hotel, direkt im Zentrum der Stadt. Ich bekam ein großes Zimmer und bestellte mir ein Bier. Nahezu unaufgefordert wurde mir die in Bayern übliche Menge geliefert.

Wegverlauf: Pontrémoli – Filattiera – Villafranca (13 ganz einfache Kilometer)

 

17. Juni 2009 – Aulla
Ein kurzer Weg

Mir wurde noch ein fürstliches Frühstück gemacht. Eigentlich viel zu viel für die kurze Strecke, die ich mir vorgenommen hatte. Der Weg ging über Barbarasco und Terrarossa nach Aulla. Auch hier gibt es eine Pilgerherberge. Die Stadt wurde von mir noch ausführliche besichtigt. Ein Nachmittag wie Ferien!
Wegverlauf: Villafranca – Aulla (rund 14 einfache Kilometer)

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 Villafranca – Ponte Magra

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Pieve di Sorano – Bücke – Rad oder Schuhe – Franziskus-Kirche in Aulla

 

18. Juni 2009 – Massa
Zum Meer kann es noch weit sein

Mit einem Keks im Bauch ging ich sehr früh weiter. Es wird immer wieder gewarnt, wenn Fußpilger auf der Straße gehen. Vermutlich wollte ich auf dem schnellsten Weg das Meer erreichen. Für mich war heute die SS 62 sowie die SS 1 meine Via Francigena. Es waren laut Kilometertafel genau 16 Km nach Sarzana.

Gegen 10 Uhr war ich also schon in Sarzana. Der Pilger betritt die Stadt durch ein altes Tor. Zentrum der Stadt ist der dreieckige Stadtplatz. Ich entschied mich heute für ein „Supermarkt-Brunch“ – Einkaufen und auf einer Parkbank picknicken. Natürlich wurde auch in der Kathedrale das berühmte Kreuz besichtigt.

Da der Tag noch lange werden wird, ging ich bereits gegen 11 Uhr weiter. Die Wegweiser nannten 20 km bis zum Tagesziel in Massa. Die Straße war gut befahren. Eine Ortschaft folgte der nächsten. In der Ferne konnte man die Marmorsteinbrüche von Carrara sehen. Hätte ich den offiziellen Verlauf die Via Francigena gewählt, wäre man den Steinbüchen viel näher gekommen. Jedoch warnte der Reiseführer, dass es auch sehr staubig werden könne.

Gegen 3 Uhr Nachmittag war schließlich das Zentrum von Massa erreicht. Um ans Meer zu gelangen, muss man von Masse nach Marina di Massa gehen. Die schnurgerade Straße zieht sich auf rund 5 Kilometern zum Strand.

Auf ein Bad im Meer habe ich verzichtet. Die Füße mussten aber schon ins Wasser. Ich setzte mich auf ein Boot und ließ den Tag nochmal an mir vorbeiziehen. Hätte ich doch besser den schönen Wanderweg gehen sollen? Aber vermutlich nutzten auch im Mittelalter die Pilger meine heutige Route.

In Massa sind alle Straßenbegrenzungssteine aus Marmor. Der Ort zeigt seinen Reichtum, den ihm die Steinbrüche beschieden haben. Es verlief wieder einmal alles sehr problemlos. Gleich am Strand sah ich einen Hinweis „Pension“. Sie hatten ein Zimmer und ich ein Bett für die Nacht. Zum Abendbrot ging es in eine Strandpizzeria.
Wegverlauf: Villafranca – Aulla – Sarzana – Massa – Marina di Massa (rund 41 lange Kilometer auf der Straße???)

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Sarzana – Piazza Matteotti

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Stadttor I – Kathedrale Santa Maria Assunta – Holzkreuz von 1.138 – Stadttor II

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Massa – Im Hintergrund die Steinbrüche von Carrara

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Steinbrüche von Carrara – Zentum Massa – Strand und Meer

 

19. Juni 2009 – Camaiore
Ab nach Hause!

Wie viele Pilger wollte ich am nächsten Tag ein wenig an der Uferpromenade pilgern. Es war schließlich mein letzter Tag für den ersten Teil Via Francigena. So führte mich der Weg bis Lido de Camaiore. Von hier ging es noch rund 8 Kilometer nach Camaiore. Am frühen Nachmittag erreichte ich meinen letzten Übernachtungsort. Auch heute gab es noch das übliche Pilgerritual: Wäschewaschen, Reisenotizen, Abendessen. Gedanklich war ich natürlich schon auf dem Rückweg.

Es war für mich das erste Mal, dass ich eine Pilgerschaft nicht an einem Stück abschließen konnte. Bis zu meiner Rückkehr nach Italien musste ich wieder 4 Monate in die Arbeit.

Wegverlauf: Marina di Massa – Forte die Marmi – Marina di Pietrasanta – Lido di Camaiore – Camaiore (rund 28 mittelschwere Kilometer)

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Camaiore – Zentrum

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Zentrum mit Kirche Santa Maria Assunta – Blick hinab von Montemagno

Am nächsten Tag ging es mit dem Autobus zuerst nach Lucca. Vom Fenster sah ich noch einen Wegweiser der Via Francigena. Hier hätte ich also zu Fuß Richtig Lucca abbiegen müssen, falls ich noch Zeit für die Weiterreise gehabt hätte.
Von Lucca ging es nach Pisa, von Pisa nach Hause. Ich hatte aber die Gewissheit, dass ich noch in diesem Jahr meine Pilgerschaft fortsetzen werde.

Exakt 4 Monate Pilgerpause

weiter im Blog: Via Francigena (Lausanne – Rom) Teil II