München – Lindau    in den „4 Jahreszeiten“

Der Münchner Jakobsweg verbindet die Landeshauptstadt mit dem Bodensee. Diese Route mit ihren vielen schönen Blicken auf die Alpenkette erfreut sich in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit. Von der Innenstadt Münchens, durch das Isartal, vorbei am Starnberger See und Ammersee, durch den Pfaffenwinkel und das Allgäu zur Bodenseeregion. Welch ein „Pilgerprogramm“! Natürlich kommt auf diesem Camino auch Kunst und Kultur nicht zu kurz. Kloster Schäftlarn, Andechs, Wessobrunn und die Wieskirche werden in Erinnerung bleiben. Hier ist natürlich der WEG das Ziel. Entschleunigt Reisen – NICHT schnell Ankommen. Dies ist PILGERN!

Für mich sollte der Münchner Jakobsweg eine Etappenpilgerschaft werden. Die Wege meiner näheren Heimat ermöglichen mir viele schöne Sonntags- und Wochenendwanderungen. Das Buch von Monika Hanna „Der Münchner Jakobsweg – Wandern auf dem Pilgerweg von München an den Bodensee“ sollte mein Reisebegleiter sein. Die erste Etappe bis Starnberg wanderte ich bereits Ende April. Sie war für mich sozusagen der Start in den Pilgerfrühling.

Bis Obtober 2014 gelangte ich so bis Marktoberdorf. Nach der Weihnachtspause ging es weiter bis Lindau.

Je nach gewählter Strecke sind es knapp 300 Kilometer bis zum endgültigen Ziel.

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1. Etappe – Von München über das Kloster Schäftlarn nach Starnberg

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DSCN0021St. Jakob am Anger

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Nahe des Rathauses habe ich sechs Jahre gearbeitet. An einem Sonntagmorgen strahlt selbst dieses lebhafte München eine gewisse Ruhe aus.

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Ich startete „meinen Jakobsweg“ in der Frauenkirche, dem Wahrzeichen Münchens. Über den Stachus, Sendlinger Tor und Pestalozzistraße erreichte ich die Wittelsbacherbrücke, die mich über die Isar führte. Jetzt war ich am offiziellen Verlauf des Weges!

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Hier traf ich auch auf die erste Wegmarkierungs-Muschel, die den Pilger sicher an sein Ziel in Santiago führt. Der Camino unterquert die Braunauer Eisenbahnbrücke und den Mittleren Ring und verläuft dann entlang des Tierparks Hellabrunn. An der Marienklausebrücke quert der Pilger die Isar zum Westufer. Man gelangt zum Hinterbrühler See.

Als Fußpilger erlebt man das erste zarte Grün des Frühlings hautnah.

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Nun folgte eine Wanderung entlang eines Kanals bis zur Großhesseloher Brücke. Von hier pilgerte ich weiter (… hier besser keine Fotos machen…) nach Pullach. Die Heiliggeist-Kirche bot sich für eine kleine Pause an.

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Hinter Pullach geht es noch einige Zeit auf dem Hochufer weiter. An der Isarbrücke, die nach Grünwald führen würde, ging es nun einige Treppen bergab. Am Ufer der Isar sind nun knappe 10 Kilometer zu wandern. Der Weg läuft durch schöne Wälder. Eine nette Abwechslung bietet der Georgenstein mitten in der Isar.

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Gegen Mittag hatte ich das Kloster Schäftlarn mit einer Barockkirche erreicht. Im Klosterbräustüberl im Gasthof wartete ich vergebens auf mein Essen. Es war der erste heiße Frühlingstag und das Wirtshaus vermutlich völlig überfordert. Nach 1 1/2 Stunden stornierte ich meine Bestellung. Schließlich wollte ich noch diesen Tag in Starnberg ankommen.

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Hinter dem Koster erfolgt ein steiler Anstieg nach Ebenhausen. Der Weg führt über Zell mit seinen schönen alten Bauernhäusern. Weiter ging es nach Neufahrn mit seiner St.Marin-Kirche.

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Nun ging es auf kaum befahrenen Teerstraßen nach Harkirchen und schließlich zum Starnberger See. Dieser war noch zu umlaufen, bis ich an der S-Bahn-Station Starnberg-Nord ankam. Hier beendete ich diesen Pilgertag mit der Gewissheit, dass es bald weiter gehen werde… .

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Die Etappe hatte eine Länge von rund 36 Kilometern. Sie kann jedoch – mit einem Zwischenstopp in Schäftlarn – aufgeteilt werden.

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2. Etappe – Von Starnberg über Andechs nach Herrsching am Ammersee

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Erst im Juni fuhr ich wieder nach Starnberg. Schon in der S-Bahn hat man einen schönen Blick auf den Starnberger See. Der Jakobsweg führt durch den Ort und biegt dann links ab. Nach ein paar Metern ist der Wald erreicht und die Pilgerseele kann sich vom Lärm des Alltags erholen.

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Es geht durch die Maisinger Schlucht. Nur das Geräusch des Wassers ist hier zu vernehmen. Ein spiritueller Höhepunkt der ganzen Pilgerschaft. (Auf dieser Etappe habe ich vor kurzem eine Pilgergruppe begleitet. Alle Teilnehmer waren von diesem Erlebnis sehr angetan…)

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Der Ort Maising, mit dem gleichnamigen See, bot mir eine schöne Möglichkeit für eine kleine Pause. Der Biergarten am See eignet sich hierzu vorzüglich.

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Entlang des Sees führt der Camino nach Aschering. Viele Häuser sind hier liebevoll mit Blumen geschmückt. Die Kirche St. Sebastian lud zu einer kleinen Besinnung ein. Hinter Aschering geht es auf schönen Pfaden weiter…

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Es folgten die letzten Kilometer bis zum Kloster Andechs. Das Benediktinerkloster kannte ich sehr gut aus meiner Studiumszeit in Herrsching. Dieser Blick auf das Kloster war mir allerdings nicht bekannt. Vor dem Besuch der Kirche war es für mich Zeit für die Mittagspause. Hierzu gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten.

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Hinter Andechs folgen noch rund fünf schattige Kilometer nach Herrsching. Die Stecke führt durch den Wald. Vermutlich bin ich sie früher schon mehr als zehnmal gelaufen. (Zurück ging es immer schneller und heiterer…??!!)

Eines der Wahrzeichen der Gemeinde ist die St.-Martins-Kirche, die bereits 1065 erstmals schriftliche erwähnt wurde. Sie steht auf einer Anhöhe. In Herrsching beendete ich diesen Pilgertag, der nur kurze 19 Kilometer „hatte“.

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3. Etappe – Von Herrsching um den Ammersee nach Dießen und weiter bis Wessobrunn

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Es war Ende August als ich wieder auf dem Münchner Jakobsweg war. Am Schiffsanleger in Herrsching startete ich meine Zwei-Tages-Tour. Gleich neben dem Anleger gelangt man zum Scheuermann-Schlösschen.

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Früh am Morgen lag noch Morgennebel über dem Ammersee. Ich verlies die Uferpromenade um die Nikolauskirche zu besichtigen. Danach führt der Jakobsweg über Rausch nach Breitenbrunn.

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Wer schon in Ägypten war, der kennt das Erlebnis, wenn man plötzlich in der Ferne die Pyramiden sieht. Ein „ähnliches“ Erlebnis hatte ich am Ammersee! Kurz vor Breitenbrunn taucht die Kirche zum Hl. Geist auf. Eine typische Architektur der späten 60er Jahre (Anfang der 70er vollendet). Sie hat keinen Glockenturm. Zum Gottesdienst läuten die Glocken von der nahegelegenen Kirche St. Johannes Baptist.  Vermutlich ist diese Kirche in keinem Jakobswegführer erwähnt. Mir gefällt ihre Besonderheit!

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An der Nordspitze des Sees liegt Stegen. Hier warten die Schiffe auf ihren Einsatz. Schön langsam lichtete sich der Nebel und der Blick auf den See wurde freigegeben. Pilgern heißt auch, die Natur hautnah miterleben…

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Besonders romantisch ist der Zufluss der Amper in den See, auch wenn hier der Weg direkt neben der Autobahn verläuft. In Eching am See machte ich eine kleine Pause an diesem Steg. Der Weg verläuft nun, immer mit Blick auf den See, durch einen kleinen Wald.

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Für Jakobspilger natürlich der Höhepunkt am See: Die Jakobskirche von Schondorf am Ammersee, errichtet im Jahre 1.150. Diese Kirche war auch Ziel unserer kleinen Wanderung auf der Jahrestagung 2012 der Fränkischen Jakobusgesellschaft.

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Die Alpen kamen erstmals zum Vorschein!

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Die Kirche Maria Heimsuchung in Utting war mein nächster Stopp. Der Erweiterungsbau aus dem Jahre 1986 wirkt auf den ersten Blick etwas eigenwillig. Man sollte jedoch bedenken, dass sehr viele Kirchen eine Mischung aus unterschiedlichen Baustilen sind. Denkt man zum Beispiel an Astorga…

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Seeweg- Nord – Jakobsweg – Seeweg-Süd

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Das Kloster Andechs grüßt über den See…

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Als letzter Ort am Ammersee wird Dießen erreicht. Die barocke Stiftskirche St. Maria ist natürlich ein weiterer Höhepunkt des Tages. Hier war es für mich auch Zeit für die Mittagspause. Während meiner Zeit in Herrsching besuchte ich öfter Konzerte in dieser Kirche.

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Vermutlich hatte ich den Weg für Radpilger genommen, da  ich zum Ortsteil Wengen gelangte. Ein kleiner Umweg, der aber seinen Charme hatte.

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Zurück auf dem Fußgänger-Pilgerweg gelangte ich auf herrlichen Waldwegen zuerst zum Mechtildisbrunnen. Ein Schluck vom Wasser kann für die weitere Pilgerschaft nicht schaden. Neben mir stärksten sich auch drei Pilger aus Norddeutschland, die ebenfalls auf ihrem WEG waren. Weiter geht der Pfad hoch zur Burgkapelle.

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Der Jakobsweg führt nun rund 4 Kilometer durch den Stillen Wald bis man kurz vor Wessobrunn wieder auf saftige Wiesen trifft. Diese Waldpassagen genieße ich immer besonders. Nirgendwo anders ist man der Natur so nah.

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Eine Rast – Kurz vor Wessobrunn?

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Kurz vor Haid war die Alpenkette in ihrer vollen Schönheit zu sehen. Nur als Fußpilger kann man dies so richtig genießen. Kein Auto- oder Fahrradfahrer kann sich uneingeschränkt diesem Ausblick hingeben!

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Es ging leicht bergab nach Wessobrunn und man erblickt zunächst die Pfarrkirche St. Johann Baptist. Durch das Torhaus gelangt man zum ehemals bedeutenden Kloster. Wessobrunn ist durch sein 814 in althochdeutscher Sprache verfasstes „Wessobrunner Gebet“  überregional bekannt.

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Sehenswert sind natürlich auch der „Grauer Herzog“ (Romanischer Turm neben der Kirche) und die alten Linden. „300 Jahre kommt sie, 300 Jahre bleibt sie, 300 Jahre vergeht sie!“ so heißt es im Volksmund über das Altern der Linde…

Die Stecke hat eine Länge von 42 km. Wer Zeit sparen will, kann natürlich in Herrsching das Schiff nach Dießen nehmen.

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4. Etappe – Von Wessobrunn nach Peiting

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Gleich hinter Wessobrunn geht es steil bergab in eine Schlucht. Die Schlittbachbrücke führt den Pilger zum anderen Ufer. Es geht Auf und Ab…

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Schließlich wird St. Leonhard im Forst erreicht. Hier ist der Hohenpeißenberg schon zum Greifen nahe.

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Die Kath. Pfarrkirche ist ein barocker Saalbau. Der älteste Teil des Turms stammt wohl aus dem 15. Jahrhundert. Eine kleine Pause gönnte ich mir.

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Immer näher rückt der „Höhepunkt“ des Tages – der Hohe Peißenberg! Doch zunächst folgte eine längere Stecke durch den Sedlhofwald. Auf längeren monotonen Strecken vertreibe ich mir gerne die Zeit mit Musik. Inzwischen habe ich rund 300 Alben und diverse Hörbücher auf meinen Wegen auf MP3 dabei. Favoriten sind die Alben von Pink Floyd, Leonard Cohen und die frühen Werke von Queen. Auch Opern dürfen nicht fehlen…

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Am Ende des Waldes hat man den Berg schon kurz vor seinen Augen.

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Jetzt folgte der schattige Aufstieg auf dem knapp 1.000 Meter hohen Berg. Man beginnt den Aufstieg in Hetten, was schon ein Ortsteil von Hohenpeißenberg ist.

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Mit Blick nach „Hinten“ sieht man nochmals den Ammersee, den ich am Vortag umwanderte.

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Da die Tagesstecke nicht sehr lange war, blieb mehr als genug Zeit für die Besichtigung der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt auf dem Berg. Es drängten sich Busausflügler, Fahrradfahrer und einige Wanderer.

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Die Berge im Vordergrund sind der Aufacker und der H. Hörnle und V. Hörnle.

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Bei sehr guter Sicht, kann hier auch die Zugspitze gesehen werden. Es war am frühen Nachtmittag und der Weg sollte ich heute nur noch bergab zu meinem Überachtungsort Peiting führen. Ich konnte daher das Panorama in aller Ruhe genießen.

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Peiting liegt nicht direkt am Münchner Jakobsweg. Jedoch lohnt die Wallfahrtskirche Maria Egg einen kleinen Umweg. In 16 Bildern wird das Hühnerwunder von Santo Domingo de la Calzada dargestellt. Ich merkte, dass die Pilgerhochsaison begonnen hat. Im Hotel war ich nicht der einzige Pilger. Der Münchener Jakobsweg ist einer der beliebtesten Caminos in Deutschland.

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Vor der Pfarrkirche steht der Meilenstein der Via Augusta, die durch den Ort führte. Ich wählte vor einigen Jahren die Via Francigena nach Rom…

Streckenlänge: 21 km

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5. Etappe – Von Peiting nach Steingaden

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Mitte Oktober setzte ich meine Pilgertour in Peiting fort. Die Natur war nun geprägt von bunten Laubbäumen. Am frühen Morgen war es noch sonnig.

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Ich wählte die Fahrradroute von Peiting nach Rottenbuch. Das Kloster ist schon sehr früh zu sehen. Über mehrere Windungen wird es schließlich auch erreicht.

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Es war noch vor 11 Uhr und Zeit für eine kleine Pause. Da es in den Wirtshäusern noch kein warmes Essen gab, beschloss ich Picknick zu machen. In einem kleinen Supermarkt vor dem Kloster kaufte ich mir meine Mahlzeit.

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Nach der Essenspause besichtigte ich die Kirche. Für Rokoko-Fans wird der heutig Tag ein Hoch-Genuss werden. Wer meine Reiseberichte kennt, dem ist bekannt, dass ich eher Gotik bevorzuge… .

Beim Verlassen der Kirche sah ich den Pilgerwunsch-Kasten an der Wand. Was für eine Wunsch sollte ich dieses Mal eintragen? Als ich die Kirchentür öffnete, wusste ich einen Wunsch: Keinen Regen! Es hatte gerade angefangen zu regnen… . Zur berühmten Wies waren es noch genau 10 Kilometer. Der Regen hörte aber wieder auf… .

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Ein folgte ein kleiner Anstieg hinter Rottenbuch, der aber mit herrlichen Ausblicken verschönt wurde. Ein Blick auf den Schwaigsee und man erreicht Wildsteig mit der Pfarrkirche St. Jakob.

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In der Kirche öffnete ich das Pilgerbuch. Ich war nicht der einzige Pilger an diesem Tag. Mit fast noch frischer Tinte las ich den Eintrag eines Pilgers, der wohl vor wenigen Minuten auch hier in der Kirche war. Dieser Münchener Jakobsweg erfreut sich einer großen Beliebtheit.

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Jetzt folgten noch rund fünf Kilometer zum kulturellen Höhnpunkt des Tages. Jeder kennt die „Wies„, die wohl berühmteste Rokoko-Kirche der Welt. Die Spannung für den Jakobspilger wächst mit jedem Meter und plötzlich taucht sie hinter dem Hügel auf. An der Kirche hat das ruhige Pilgerdasein ein Ende. Touristen aus aller Welt wollen das Gotteshaus sehen. Rokoko in seiner Vollendung. Eine Steigerung war wohl nicht mehr möglich.

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Verlässt man die Wies, so fällt der Blick auf das Deckengemälde von Johann Baptist Zimmermann. Das Tor zur Ewigkeit macht ein wenig nachdenklich. Aber für die letzte Pilgerreise bleibt hoffentlich noch etwas Zeit… .

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Im Regen pilgerte ich weiter nach Steingaden. Hier hatte ich mir ein Zimmer in einer kleinen Pension reserviert.

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Der erste Blick fällt natürlich auf das Münster von Steingaden. Die Außenansicht und der Kreuzgang haben ihren romanischen Charakter bewahrt. Hier war nochmals Zeit für eine kleine innere Einkehr, die man in der Wieskirche mit ihren vielen Touristen nicht wirklich finden konnte.

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Nach dem Abendessen ging ich früh zu Bett. Wer tagsüber weit gepilgert ist, der wird einen erholsamen Schlaf finden. Dieses Erlebnis wird dem Auto-Reisenden nicht gegönnt sein!

Streckenlänge: rund 26 km

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6. Etappe – Von Steingaden nach Marktoberdorf

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Nach dem Frühstück sollte es losgehen. Es regnete nur leicht. Nach zirka einer Stunde setzt starken Regen ein. Die Wegvariante über das Moor bei Prem wollte ich mir daher sparen. Ich wählte also den kürzeren Weg nach Lechbruck. Meine Kleidung hatte ich auf all den Pilgerschaften so perfektioniert, dass ich über jeden Regen nur schmunzeln kann.

Kurz vor Lechbruck traf ich auf den Pilger, der sich vor mir in das Jakobusbuch von Wildsteig eingetragen hatte. Er pilgerte mit seinem Husky, der auch einen Pilgerrücksack trug. Auf meinen Caminos traf ich immer wieder auf Pilger mit Hund.

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Es war nicht möglich, ein Foto ohne Regentropfen auf der Linse zu machen. (Die beiden Bilder sind daher so verschwommen)

Eine große Tafel über den Bayerisch-Schwäbischen Jakobsweg empfängt die Wanderer am Ortseingang von Lechbruck.

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Der Jakobspanorama-Weg führt aus Lechbruck heraus. Ein sehr schöner Wegteil, auch wenn man viele Schlaufen und Kreise ziehen muss. Einmal sind die Alpen rechts, einmal links… . Hier muss man sich auf die Wegmarkierung verlassen. Eine Orientierung nach Gefühl schien mir nicht mehr möglich.

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Aber auch diese Schlaufen haben einmal eine Ende. Über eine Wiese gelangt man zu einer kleinen Kapelle. Nach ein paar weiteren Schritten ist der Ort Bernbeuren erreicht.

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Hier machte ich bei den beiden Kirchen eine kleine Pause. Ich stärkte mich in einem kleinen Supermarkt. Denn jetzt sollte der sportliche Höhepunkt des Tages folgen. Der Aufstieg auf den 1055 m hohen Auerberg.

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Bereits am „Einstieg“ zum Aufstieg konnte ich sehen, dass der Regen den Boden in einen Schlammweg verwandelt hatte. Ich beschloss daher, den Aufteig über die Autostraße zu machen. Es regnete wieder wie aus Kübeln. Oben angekommen lichtete sich der Himmel wieder leicht.

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Beim Abstieg waren sogar wieder blaue Wolken zu sehen. Rund 1 1/2 Stunden dauerte es um auf alten Römerwegen nach Stötten zu gelangen.

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Nach der Mittagspause folgte eine kleine Kirchenbesichtigung der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Durch das Fenster kamen wieder Sonnenstrahlen herein.

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Hier am Ort nächtigte auch ein anderer berühmter Pilger auf seiner Reise nach Venedig. Oder war er kein Pilger?!

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Hinter Stötten kann man die Pilgerseele so richtig baumeln lassen. Auf nahezu ebenem Gelände pilgert man zuerst entlang der Geltnach, dann durch den Wald nach Burk. Nach dem Überqueren des Baches findet man auf rund zwei Kilometern keine Jakobusmuschel. Es stelle sich eine leichte Verunsicherung ein, ob man schon noch auf dem richtigen Weg ist. Erst kurz vor Burk findet man wieder eine Wegmarkierung. Vorbei am kleinen Kirchlein folgte ein sehr schöner Weg nach Bertroldshofen. Drei Kühe wollten unbedingt einige Meter mit mir pilgern. Nach rund 100 Metern machte ich dann ein „Abschiedsfoto“. Die Kirche von Betoldshofen sollte man wegen der Holzskulptur des Hl. Rochus besichtigen.

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Vier Kilometer vor meinem Tagesziel Marktoberdorf kam die Sonne wieder durch. Es folgt der letzte Anstieg.

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Zwei Kilometer vor dem Zentrum wird die Kurfürstenalle erreicht, die den Pilger sicher an sein Ziel führt. Noch einmal mit allen Sinnen pilgern und den Tag ausklingen lassen.

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Vorbei an der Kirche St. Martin geht man ins Tal und erreicht den Marktplatz der Stadt.

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Mein persönliches Tagesende war die St. Magnus Kirche im Zentrum. Jetzt wird es Zeit für die Winterpause!

Streckenlänge: 31 Kilometer

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7. Etappe – Von Marktoberdorf nach Kempten

Es war Februar und ich wollte meine Pilgerschaft endlich fortsetzen. Ein befreundeter Pilgerbegleiter sagte mir, dass er schon vor einer Woche die Tour mit einer Pilgergruppe gemacht habe. Doch als ich dann losgehen wollte, hatte es in der Nacht Neuschnee gegeben.

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Es ging vom Bahnhof in Marktoberdorf zuerst nach Thalkofen und weiter nach Geisenried. Bis hier konnte ich den Weg noch gut folgen.

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Jetzt blieb mir nur die Straße um nach Oberthingau zu gelangen. Der Schneepflug hatte inzwischen auch die Nebenstraßen geräumt, so dass der weiteren Pilgerschaft zunächst nichts im „Weg“ stand.

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Die Wallfahrtkirche von Oberthingau war leider eingerüstet und verschlossen.

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Ich konnte mich noch gut auf Wegen und Straßen bis zur Gastwirtschaft in Beilstein durchschlagen. Ein Weiterkommen durch den Kempter Wald schien mir allerdings unmöglich. Also ging ich bis zur Landstraße und suchte mir eine Mitfahrgelegenheit.

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Die letzten Kilometer bis Kempten konnte ich wieder pilgern. Natürlich hat diese Winterlandschaft ihren ganz besonderen Reiz.

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Die evangelische Pfarrkirche St. Mang wird zuerst erreicht. Durch die Altstadt und vorbei am alten Rathaus ging es zur Fußgängerzone, die sehr gut besucht war. Als Pilger ist Shopping nicht unbedingt meine große Leidenschaft. Natur ist mir eben wichtiger!

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Natürlich war auch noch die ehemalige Benediktiner-Klosterkirche St. Lorenz zu besichtigen. Ein weiterer Höhepunkt dieses Tages.

Streckenlänge 27 km

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8. Etappe – Von Kempten nach Weitnau

In Kempten geht es zunächst hinauf bis zum Mariaberg und weiter nach Ermengerst.

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Ermengerst

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Buchenberg mit seiner Pfarrkirche

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Rechtis (St. Ulrich)

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Entlang des Sonneckgrat

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Weitnau (St. Pelagius)

Streckenlänge 27 km

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9. Etappe – Von Weitnau nach Simmerberg

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Wilhams

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Aigis

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Aigis und Geratsried

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Genhofen (Kirche St. Stephan 1495)

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Hopfen

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Über Burkatshofen nach Simmerberg

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Kirche St. Josef

Streckenlägen 29 km

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10. Etappe – Von Simmerberg nach Lindau

Von Simmerberg ging es nach Weiler. Hierzu musste ich die Autostraße benutzen. Der viele Schnee machte eine Pilgerschaft auf dem Jakobsweg unmöglich.

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Museum und Rathaus von Weiler

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Pfarrkirche St. Blasius

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Ein schöner winterlicher Weg (der offizielle Jakobsweg) führte mich nach …

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Lindenberg (Aureliuskirche – linkes Foto).

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Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul

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Niederstaufen mit der Kirche Sankt Peter und Paul lag nun am Weg.

Jetzt ging es talwärts nach Lindau und talwärts in den Frühling. Ein Pilgerjahr, das im April begann und im Februar endete. Die ersten Sonnenstrahlen kündigten schon das Frühjahr an.

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Der Bodensee ist erreicht. Das „Schwäbische Meer“ wurde zu meinem Ziel. Auf den Straßen und Plätzen war bereits ein reges Treiben. Die Stadt mit ihren rund 25.000 Einwohnern ist immer eine Reise wert.

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Kirche St. Stephan (ev.) – Münster „Unserer Lieben Frau“ (kath.)  –  Das eigentliche Pilgerziel!

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Die Hafeneinfahrt öffnet Träume von vielen fernen Zielen. Das Ende meines Münchner Jakobswegs war das Schwäbische Meer – Das Ende des „Caminos“ ist der Atlantik….

Streckenlänge 30 km

Eine genaue Beschreibung der letzten 3 Etappen ist nicht möglich, da der Weg im Winter nur teilweise begehbar war!

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Fazit:

Ein wunderschöner Pilgerweg mit Blick auf die Alpenkette. Liebhaber von Rokoko werden hier von einem Höhepunkt zum nächsten geführt. Die Streckenführung ist vorbildlich, Asphalt und Kieswege wechseln sich angenehm ab.