Pilgern auf dem RassoWeg um den Ammersee

Als ich den Münchner Jakobsweg pilgerte, saß mir eine Frau in der Klostergaststätte Andechs gegenüber und las einen Pilgerführer über den Rassoweg. Ich habe einen Bekannten, der von seinen Eltern nach dem Heiligen Rasso getauft wurde. Ansonsten war mir der Name nahezu fremd. Ein Graf des Geschlechts von Dießen und Andechs. Ganz grob gesagt, soll er vor über 1000 Jahren gelebt haben.

Vor einigen Jahren wurde dann dieser Rasso-Pilgerweg ins Leben gerufen. Knapp 80 Kilometer, die sich gut in drei bis vier Tagen pilgern lassen. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reist man nach Geltendorf. Eine schöne Baumallee führt vom Bahnhof zum Kloster Sankt Ottilien.

Tag 1 – Sankt Ottilien – Riederau:

10257113_235153936831740_6423367019472275583_n 1914038_235153976831736_5236438230609755827_n

Nach der Besichtigung des Klosters mit seiner neugotischen Kirche sollte unsere Pilgerschaft losgehen. Es war fast ein Frühlingstag und quasi die Pilgersaisoneröffnung. Gleich hinter dem Kloster waren mehrere Wanderer unterwegs, die wie wir die Sonne genossen.

67797_235154006831733_6666301163148134793_n 10394482_235154046831729_7771345957038042420_n

Es geht nach Eresing Hier war die Kirche leider eine Baustelle und eine Besichtigung nicht möglich. Hinter dem Ort geht es zur Ulrichskapelle. Hier folgt ein kleiner, schattiger Anstieg. Wir entdeckten hier auch die erste Wegmarkierung für den Rassoweg. Ein blaues Kreuz mit einem R auf weißem Grund.

10547593_235154073498393_2495558630085592952_n 10985374_235154106831723_3599780053012407619_n

Ohne den Führer des Kulturvereins St. Rasso e. V. kann man diesen Weg nicht pilgern. Die Wegmarkierungen sind sehr dünn gestreut. Ein ständiges Nachlesen im Buch ist daher notwendig. Wir machten unser Mittagspicknick kurz vor Windach an einer kleinen Kapelle.

1505501_235154156831718_1166318583930107281_n 1185296_235154216831712_5096094317468066159_n

Leider ist die ehemalige Pfarrkirche St. Peter und Paul seit langer Zeit verschlossen. Gleich hinter Windach folgt ein wunderschöner Teil des Weges. Es geht über Felder und Wiesen in Richtung Schondorf. Hier fanden wir auch nur eine einzige Markierung.

934131_235154236831710_1004884667324553700_n 10334420_235154270165040_8154101732169091703_n

Man sieht die Kirche St. Anna schon aus einigen Kilometern Entfernung. – Angekommen an der Kirche hat man einen schönen Blick über den Ammersee. Nun geht es hinab zum See. In den Straßen-Cafés saßen die ersten Gäste des Jahres. Der Frühling ist eben im Anmarsch…

1012593_235154296831704_1362652023905536886_n 1779074_235154326831701_547126514768878224_n

Am Ammerseeufer konnten wir den Muscheln des Jakobswegs für ein paar Kilometer folgen. Über Utting gingen wir nach Riederau. Viele Privatseegrundstücken machen leider eine Pilgerschaft am Ufer nicht immer möglich.

12321355_235154656831668_2898533405937238277_n 1923433_235154686831665_7323343306995494378_n

Jedoch bieten immer wieder schöne Waldpassagen Abwechslung auf unserem weiteren Weg.  Bei gutem Wetter könnte man die Alpen sehen. Uns war nur ein Blick nach Andechs, unserem nächsten Tagesziel vergönnt.

971590_235154743498326_552993662127022024_n

Die kleine Kirche von Riederau war somit unser Tagesziel als Pilger. Im Ort gibt es Übernachtungsmöglichkeiten.

Tag 2 Reiderau – Andechs:

940977_238267586520375_1519906683062796176_n 11220872_238267599853707_5174304691348486916_n

Immer entlang des Ufers des Ammersees erreichten wir Dießen. Eine Hinweistafel zeigt die verschiedenen Wanderwege auf. Einen Hinweis auf den Rassoweg gibt es nicht.  Der malische Ort lohnt einer längeren Besichtigung.

1205_238267619853705_3743676133277332350_n 1929827_238267636520370_5334094912116457909_n

Vom Ufer sind es rund 1,2 Kilometer zum Marienmünster. Man folgt dem „Radfahrerweg Marienmünster“ oder dem „Münchner Jakobsweg“.

12376361_238267649853702_5542295278836974992_n 734960_238267676520366_2128701144187775127_n

Hier am Münster folgen wir nicht mehr der Muschelbeschilderung, sondern gehen zurück zum Ufer des Ammersees und führen unsere Wanderung am Rassoweg fort. Wegmarkierungen sind keine zu finden. Da ich die Gegend gut kannte, folgten wir dem Instinkt.

10985338_238267699853697_5561611996862218337_n 1452246_238267723187028_689823862964741099_n

Über die Ammer gelangten wir nach Vorderfischen und Mitterfischen mit seiner St. Pankratuis-Kirche. Pankratius war ein Märtyrer der frühen christlichen Kirche. Heute eher noch bekannt von der Bauernregel: „Ist Sankt Pankratius schön, wird guten Wein man sehn.“

12524340_238267743187026_5876993228489640691_n 10391866_238267753187025_3158920978325865770_n

Jetzt folgte ein kleiner Aufstieg zu einem Höhenweg. Dieser führte uns zu der kleinen Hartkapelle. Hier werden von den Pilgern, wie aus Spanien bekannt, Steine abgelegt. Die Pilgernden nennen es „Die Last der Vergangenheit ablegen“…

12006186_238267789853688_8567729200737164578_n 1934794_238267829853684_1756204676859287894_n

Von der Kapelle sind es noch mehrere Kilometer zum Tagesziel. Hier trafen wir auf Jakobspilger. Die Beliebtheit von Pilgertouren nimmt immer noch zu. Wer in Deutschland auf Pilger treffen will, dem empfehle ich den Münchner Jakobsweg.

12042619_238267846520349_6579626523787310920_n 12800149_238267859853681_4679054915741987318_n

Hier oben hat man wohl den schönsten Blick auf den Ammersee auf unserer gesamten Tour. Leider sah das Wetter nach Regen aus, wodurch man keine größere Pause machen konnte.

1913742_238267896520344_8395155334923937997_n 1937039_238267929853674_7532354778829131729_n

Am Waldrand sieht man das Ziel unseres Tages. Den Berg der Bayern. Der Weg führt die Pilgernden aber zuerst zur Kirche von Erling. Hier biegt man ab und sieht nach wenigen Metern die Kirche des Klosters Andechs.

1929441_238267973187003_8540645258275062038_n 46353_239131806433953_5854296767464237511_n

Am Ziel angekommen, setzte Regen ein. Das Kloster bietet sehr begrenzte Übernachtungsmöglichkeiten. In der Hauptsaison empfiehlt sich ein Hotel zu reservieren. Im März war der berühmte Wallfahrtsort noch nicht mit den sonst üblichen Touristenmassen überfüllt.

Tag 3 Andechs – Grafrath:

942536_239131173100683_9178320947111980700_n 10985228_239131203100680_7418965242684419397_n

Vom Frühling des ersten Pilgertags war nichts geblieben. Gut, dass man heute auf die Sonnenuhr nicht mehr angewiesen ist. Hinter dem Kloster Andechs folgt der Abstieg nach Herrsching. Ein sehr schöner Weg durch den Wald bis zu den ersten Häusern. Vermutlich könnte man nicht mehr zählen, wie oft ich diesen Weg schon gegangen bin.

12670739_239131263100674_1703573259702170933_n 12417762_239131319767335_8911373211833370718_n

In Herrsching gingen wir gleich zum See. Der Rassoweg führt hier identisch mit dem Münchner Jakobsweg entlang des Ammersees. In Herrsching hatte ich einmal gewohnt. Der Ort besitzt kein historisches Zentrum wie Dießen. Er entstand wesentlich später in seiner heutigen Form.

12814552_239131356433998_7584173880143622291_n 1610014_239131373100663_7269650507972454977_n

Weiter geht es zur Ortschaft Rausch mit der kleinen Kapelle. Hier oben hat man nochmal einen herrlichen Blick auf das Kloster Andechs. Mehr nach Gefühl als nach Buch und Wegmarkierungen errichten wir Breitenbrunn und Schlagenhofen.

11970_239131393100661_4945554714383836150_n 11148661_239131413100659_3300012469904493621_n

Ein Waldweg führte uns nach Inning am Ammersee. Es war es fast Mittag und Zeit für eine kleine Pause. Leider war vom Frühling des ersten Tages nicht viel übriggeblieben. Picknick im Freien kaum möglich. Aber hier gibt es mehr wie genug Gaststätten.

12107038_239131449767322_2831496084609193664_n 12088180_239131479767319_8198286986087486234_n

In Inning ist das Ziel schon fast erreicht. Der Rassoweg verlässt den Ort über die ehemalige Hauptstraße und man unterquert die Autobahn. Jetzt  gelangten wir zum kleinen Martinsberg.

12321450_239131693100631_5370060933596736665_n 12321426_239131723100628_9139588316825317711_n

Es folgt ein langer Weg durch den Wald. Noch einmal kann der Pilger und auch die Pilgerin hier seine/ihre Seele baumeln lassen. Schließlich wird der Ortsteil Unteralting von Grafrath erreicht.

1931459_239131746433959_2646420026898182646_n 11703106_239131769767290_4954129787181756487_n

Nur noch wenige Meter trennen uns nun von unserem Pilgerziel. Die Kirche des Hl. Rassos. Eine große Schautafel zeigt noch einmal die verschiedenen Wegvarianten auf.

12814352_239131789767288_4763496162525954634_n 46353_239131806433953_5854296767464237511_n

Am Ort gibt es verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten. Eine Übernachtung in den ehemaligen Klostergebäuden ist heute nicht mehr möglich.

12074717_239131823100618_6091526025728730364_n

In Grafrath gibt es noch den Pilgerstempel für den Nachweis der Pilgerschaft. Eine Pilgerausweis hat die Rassoweg bis heute nicht. Man könnte sich aber einen basteln!!!

Grafrath hat Anschluss an die S-Bahn von München.

***

Drei oder vier Tage in einer sehr schönen Gegend von Bayern…