Der Gunthersteig führt vom niederbayerischen Niederalteich nach Dobrá Voda (Gutwasser) in der Tschechischen Republik. Die rund 87 km konnten wir in 4 Tagen gut „abpilgern“! Man folgt den Spuren des „Volksheiligen St. Gunther“. Dieser wurde 955 als Sohn eines Hochadeligen geboren, trat aber später ins Kloster Niederaltaich ein. Selbst im Kloster fand er nicht die notwenige Ruhe, wodurch er erst nach Rinchnach und später nach Gutwasser weiterzog. Da der Bayerische Wald und der Böhmerwald damals noch vollkommen unkultiviert waren, musste er sich seinen Weg erst schaffen. So spricht man auch vom Rodungsmönch. Deshalb wurde der Weg auch mit einer Rodungshacke gekennzeichnet.

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Das Kloster Niederaltaich ist einen Besuch wert. Ein Kloster mit zwei kirchlichen Traditionen. Ein Teil der Mönche betet und lebt nach dem römischen, der andere Teil nach dem byzantinischen Ritus. Die orthodoxe Kirche ist in der ehemaligen Brauerei untergebracht.

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Vom Kloster führt der Weg zuerst nach Hengersberg und weiter nach Auerbach. Typisch für diese Gegend sind die Totenbretter, die an Wegkreuzen zur Erinnerung an die Verstorbenen aufgestellt werden.

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Das Tagesziel Lalling ist nach 21 Kilometern erreicht. Das Gebiet mit dem milden Klima ist als der Obstgarten des Bayerischen Waldes bekannt. Man lebt und feiert nach dem Motto: „Lustig g’lebt und selig g’storb’n –  is‘ dem Teufel s‘ Geschäft verdorb’n!“

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Der zweite Wandertag beginnt im dem steilen Aufstieg zum hoch gelegenen südlichen Kamm des Bayerischen Waldes. Der Weg ist vorbildlich markiert. Am Aussichtspunkt „Gunthersteig“ ist der höchste Punkt dieses Tages erreicht.

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Der Weg führt nun abwärts nach Kirchberg. Bei guter Fernsicht kann man den Bayerischen Wald in seiner ganzen Schönheit bewundern. Hier wechseln sich Schotterwege mit kaum befahrenen Teerstraßen ab. Als wir in Kirchberg ankamen, wurde gerade die Kirchweih gefeiert. Dies war natürlich eine gute Gelegenheit für die Mittagspause. Wir wurden als „Guntherpilger“ freundlich von den Einheimischen aufgenommen. Musik aus dem Bayerischen Wald verschönerte uns das Mittagessen.

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Nach reichhaltigem Mittagessen ging es weiter zum Tagesziel Rinchnach. Hier gründete Gunther mit anderen Mönchen ein kleines Kloster.

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In der Pfarrkirche St. Johannes des Täufers im Ortszentrum ist an der Decke ein Fresko, das Gunther bei seiner Wegrodung durch den Bayerischen Wald zeigt. Die Etappe von Lalling nach Rinchnach hat eine Länge von 19 Kilometern.

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Am dritten Tag führt die Wanderung über die Freilichtbühne Gehmannsberg zur Wallfahrtskirche Frauenbrünnl, wo Gunter als Eremit lebte. Wir hatten sehr starken Regen, wodurch kein Blick vom Kirchlein auf Rinchnach möglich war.

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Durch Wälder und Dörfer leitet uns der Gunthersteig nun nach Zwiesel. Es regnete noch immer sehr stark. Hier war es nun Zeit für die Mittagspause. In Zwiesel gabeln sich die Flüsse Großer und der Kleiner Regen. Wir hatten neben den Flüssen ‚Regen‘ auch noch den Regen von oben! Die Stadt mit heute rund 9.300 Einwohnern lohnt auch bei Regen einer Besichtigung.

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Von Zwiesel sind es nur noch wenige Kilometer zum Tagesziel Lindberg. Am Ortsausgang von Zwiesel sahen wir lustige Pferde auf deren Koppel. Vermutlich freuten sie sich wie wir über die Besserung des Wetters. Die dritte Etappe hat eine Länge von 21 Kilometern.

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Die vierte und letzte Etappe führt durch den Nationalpark des Bayerischen Waldes. Ab der Grenze (vorher stärkster Anstieg der Tour) in Böhmen heißt der Nationalpark Sumava. Aus dem Gunthersteig wird der Vintířova stezka!

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Durch die Kulturlandschaft pilgerten wir weiter bis Prásily. Der kleine Ort eignet sich vorzüglich für die Mittagspause. Wer etwas Geld übrig hat, kann eine kleine Spende für den Wiederaufbau der Kirche hinterlassen. Kirchenbänke und der Altar stehen noch im Freien.

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Jetzt folgt der Schlussspurt bis Dobrá Voda. Der Ort liegt auf rund 900 Metern. Hier war der letzte Aufenthalt des „Hl.“ Gunther. Nach Zerstörung der Kirche in den kommunistischen Jahren wurde sie nach und nach renoviert. Die ursprüngliche Ausstattung der Kirche war verloren gegangen. Von der Glaskünstlerin Vladěna Tesařová wurde eine neue Ausstattung in Glas geschaffen. Die Etappe bis Dobrá Voda hat eine Länge von 27 Kilometern.

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Von Dobrá Voda gibt es eine Busverbindung zur Grenze in Bayerisch Eisenstein. Vom berühmten Bahnhof traten wir die Rückreise an.