Camino de Levante

Wieder ein Camino in Spanien. Letztes Jahr der Camino Primitivo und dieses Jahr der Camino de Levante in zwei Teilen. Mein Terminplan erlaubte mir nicht den Weg am Stück zu pilgern. Erst seit 6 Jahren gibt es ein deutsches Buch von Ulrike Bruckmeier, das diesen Weg beschreibt. Er führt von Valencia über Albacete, Toledo, Avia nach Zamora.

Tag 1: Valencia – Algemesí

1 2

Die Anreise nach Valencia begann stürmisch. Wir konnten windbedingt nicht landen und mussten nochmals durchstarten. Auf der Vía de la Plata hatte man meinen Rucksack bei der Zwischenlandung vergessen, dieses Mal eben eine schwierige Landung. Trotzdem sollte es eine schöne Pilgerschaft werden. Am Camino Primitivo habe ich Tino aus Valencia kennengelernt. Er begleitete mich auf dieser Pilgerschaft bis Albacete. In Valencia besucht der Pilgernde natürlich die alte Kathedrale und das moderne Valencia – gebaut in einer Zeit, als Geld keine Rolle zu spielen schien.

13015612_255242671489533_4677613258722789247_n 4

Südlich von Valencia erreicht man Silla. Die Stadt bietet sich für eine erste Pause an. Am ersten Tag hat man noch keine Anstiege zu bewältigen. Es geht immer eben dahin. Die Sonne versteckte sich hinter den Wolken, aber sie sorgte doch für einen leichten Sonnenbrand auf meiner Haut.

12986925_255242648156202_3018723863341775572_n 13062135_255242738156193_6118606369730568559_n

Schließlich war am Ende des Tages die Stadt Algemesí erreicht. Den Schlüssel für die Herberge gab es bei der Polizei. Hier muss man etwas Geduld mitbringen. Im Hotel geht es einfach schneller. Ich tendiere zunehmend zu Hotels auf meinen Pilgerschaften…

13010755_255762748104192_1544887795883932519_n

Nach dem Abendessen war auch die Jakobusbasilika geöffnet. Ein sehr schöner Ausklang für den ersten Tag der Tour. Wie immer an den ersten Tagen waren die Füße etwas schwer…  Immerhin rund 35 km.

***

Tag 2: Algemesí – Xátiva

8 9

Heute stand zuerst Regen auf dem Pilgerprogramm. Bereits nach wenigen Kilometern wird die 45.000-Einwohner-Stadt Alzira erreicht. Auf dem nassen Pflastern ging es über den Hauptplatz.

10 11 (2)

Wegen des Regens hielten wir uns nicht sehr lange auf. Nach ein paar weiteren Kilometern hörte der Regen auf und die Sonne Spaniens kam wieder zum Vorschein. In den letzten Jahre bin ich viel in Deutschland gepilgert. Regen bin ich gewohnt, lieben tue ich ihn aber nach wie vor nicht.

14 15

Jetzt folgte der Weg nach Xátiva. Ein sehr schöner Wegverlauf. Die Stadt ist schon von Weitem zu sehen. Es dauert aber einige Zeit, bis man schließlich ankommt. Der Camino de Levante führt um den linken Berg (Foto) herum.

16

Im Ort gibt es eine Herberge, die jedoch verschlossen war. Ein Hotel bietet ein Bett im Gemeinschafts-Zimmer für Pilger zu sehr überhöhtem Preis an. Dieses Angebot blieb aber alternativlos. Ein schönes Abendessen war der Ausklang für den Pilgertag. Immerhin rund 30 km.

***

Tag 3: Xátiva – Moixent

17 18

Die Sonne hatte uns wieder. Sehr gut geschlafen ging es die rund 7 km nach Canals. Wunderschöne Weg, die ich als Pilger so liebe.

19 20

Die Kirche San Antonio Abad an der Plaza Mayor bot Gelegenheit für einen kleinen spirituellen Impuls. Neben der Ruhe in der Kirche gab es auch eine kleine kühle Abwechslung von der sonnenreichen Strecke.

21 22

Vorbei an verlassenen Bauernhäusern wird Vallada erreicht und schließlich durchquert. Es war gegen Mittag und die Sonne brannte herab. Es waren aber nur noch wenige Kilometer zum Tagesziel. In einer Bar machten wir eine letzte Pause.

23

Die Kirche von Moixent, unserem Übernachtungsort, war wieder der Tagesausklang der Pilgerschaft. Heute waren es rund 28 km.

***

Tag 4: Moixent – La Font de la Figuera

24 25

Es folgte ein ganz besonderer Tag. Endlich waren richtige Berge da. Als Pilger sucht man immer ein Bergauf – und Bergab. Atemberaubende Aussichtspunkte bot dieser Tag. Super!!!

26 27

Es sind wenige Kilometer (rund 19) nach La Font de la Figuera. Ein Tag zum entspannen. Am Ziel trafen wir Loli, die Frau von Tino, die ich auch vom Camino Primitivo sehr gut kannte. Pilgerfreundschaften halten oft sehr lange.

28 29

In La Font de la Figuera besorgten wir uns den Schlüssel für die Herberge. Anna aus Frankreich und ein Ehepaar aus Holland waren heute auch als Pilger in der Stadt.

***

Tag 5: La Font de al Figuera – Almansa

30 31

Wir gingen zu Dritt los. Anna aus Frankreich unterhielt sich gerne mit mir in der Herberge, wollte aber ihren Weg alleine gehen. Ich kann dies verstehen. Es ging einige Kilometer auf Teerstraßen durch die schönen Wälder.

32 33

Nur ein kleines Dorf am Weg führte uns zurück in die Zivilisation. Pilgern in Vollendnung! Hier kann man die Seele baumeln lassen. Ich stelle mir immer wieder die Frage, wie so ein einfaches Leben und das Reisen zu Fuß so glücklich machen könne…

34 35

Am frühen Nachmittag kamen wir an. Wir bezogen ein Zimmer im Kloster, auch wenn die Stadt diverse Hotels bot. Wie in Spanien so üblich, war es zunächst Zeit für die Siesta. Dann sollte die Fiesta folgen.

37 39

Die Kirche am Ort gehörte natürlich noch zum Tages-Programm für uns Pilger, dann ging das Fest auch schon los. Man stellt eine Schlacht aus dem Mittelalter nach. An Abwechslung fehlt es den Wanderern an Wochenenden selten.

38

Die Fiesta am Ort mit ihren Köstlichkeiten war der Abschluss des Tages, der sowieso nur 27 Kilometer „hatte“. Leider mussten wir früh im Kloster sein…  Oftmals ein Nachteil, den man im Hotel nicht hat.

***

Tag 6: Almansa – Higueruela

40 41

Der Marathon-Tag mit fast 40 Kilometern begann bei herrlichem Wetter. Sehr früh wird eine Einsiedlerei passiert. Es geht viele Kilometer merklich bergauf.

42 43

Landschaftlich wohl der schönste Tag. Sonne und Wind auf der Haut. Ich ging in Abstand zu Tino, da wir nicht die gleiche Pilgergeschwindigkeit haben. Und ich konnte es auch nicht lassen, mir den Tag mit Musik auf MP3 zu verschönern. In Spanien greife ich sehr gerne zu deutscher Rockmusik…

44 45

Gegen Mittag wird ein kleiner Bauernhof erreicht. Hier kann man sich Erfrischungen kaufen. Wir hatten Wasser im Gepäck und mussten vom netten Angebot keinen Gebrauch machen.

46 46a

Danach folgt wieder wunderschöne Landschaft und ein rund 11 km langer Weg auf Asphalt. Da ich früher Marathon lief, habe ich mit Teer keine Probleme. Verwöhnte Wanderer stören sich gerne daran.

48

Der kleine Ort war erreicht. Eine Gastwirtschaft (Bar) bot Fleischbällchen an. Ich war sehr ausgehungert und bin immer wieder dankbar, wenn ich in Spanien gegen 17 h ein ordentliches Essen bekomme.

***

Tag 7: Higueruela – Chinchilla de Monte Aragón

49 50

Total glücklich gingen wir am frühen nächsten Tag los. Kleine Weiler und Bauernhöfe liegen am Weg. Oftmals wird man in ein nettes Gespräch verwickelt. Wenn nur nicht die Dialekte wären. Man meint man könne Spanisch und versteht wieder nicht viel…

51 52

Oncebreros, eine kleine Stadt liegt auf dem Weg. Hier kann man gut eine vorgezogenen Mittagspause machen. Ich habe mich im einzigen Supermarkt mit Proviant eingedeckt und meine Wanderstöcke vergessen. So wurden es ein paar Meter mehr an diesem Tag (hin und zurück vielleicht 500 m – grins)

53 54

Jetzt wieder die Seele baumeln lassen… Hier ist der Weg mit Holzschildern markiert. Die Kilometerangaben sind oftmals nicht sehr exakt. Auch die Kilometerangaben im spanischen Buch von Tino unterschieden sich vom deutschen Buch oft leicht…

55 56

Ein Spiel an Farben… Zunächst ein Chozo (Schäferschutzbau) und dann diese rote Erde. Nur auf ein paar hundert Metern gibt es dieses Meer an Farben.

57 58

Noch rund 7 Kilometer zur Stadt. Ein Weg der an Schönheit kaum zu übertreffen ist. Kein Asphalt und kein Verkehr. Spitze!!!

59 60

Chinchilla de Monte Aragón erreichten wir am frühen Nachmittag. Zur Kathedrale geht es noch einmal steil bergauf. Gut eingelaufen ist dies kein Problem mehr. Tino hatte Geburtstag und wir gingen vorzüglich zum Essen.

61

Geschlafen haben wir in einer Pension im Tal. Am Ort trafen wir auch auf eine deutsche Pilgerin. Sie wählte den Camino de Levante für ihre erste Pilgerschaft. Respekt! Der „Tag“ hatte eine Länge von 30 km.

***

Teil 8: Chinchilla de Monte Aragón – Albacete

62 63

Heute folgte ein kurzer letzter Tag (18 km). Zurück auf dem Hügel über der Stadt und weiter ging es auf dem Camino de Levante. Wegmarkierungen auf Steinen mit gezeichneten Muscheln markieren nun den Weg.

64 65

Der fast gerade Weg führt nach Albacete. „Hier wird für mich die Pilgerschaft beendet sein.“ Zum Glück nur vorläufig. Nach acht Tagen wäre man gerade so in der Stimmung noch 800 Kilometer weiter zu wandern.

66 67

Durch die Vorstadt zieht sich der Camino in das Zentrum. Übernachtungsmöglichkeit bietet das Obdachlosenheim. Hiervon kann ich aber nur abraten. Die Aufnahme ist sehr mühsam. Wir gaben schließlich auf. Die Stadt mit rund 160.000 Einwohnern hat mehr wie genug gute Hotels als Alternative.

68 69

Museum und Kathedrale im Zentrum der Stadt lohnen einer Besichtigung. Für mich folgte der Abschied von Tino, meinem Begleiter auf diesem Camino. Er ist immer noch auf seinem Weg nach Santiago de Compostela. Für mich wird es erst in ein paar Wochen weitergehen.

70

Camino de Lavante (Teil 1) – wird fortgesetzt….