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Die Via Nova –  Ein Pilgerweg, rund 1000 Jahre jünger als der Jakobsweg!

Auf den ersten Blick ist man erstaunt über dieses Projekt VIA NOVA. Ein „neuer“ Pilgerweg – ohne richtigen Anfang – ohne richtiges Ende? Aber vielleicht soll man sich gerade auch auf etwas Neues einlassen. Das Neue gibt auch neue Möglichkeiten…

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Am frühen Morgen ging meine Pilgerschaft am Kloster der Mallersdorfer Schwestern los. Mallersdorf-Pfaffenberg kannte ich von meiner Schulzeit. Am Kloster kreuzen sich die Via Nova mit dem Wolfgangweg, der von Regensburg nach St. Wolfgang in Österreich verläuft. – Dieses Mal war es ein sogenanntes Etappenpilgern. Immer wenn die Zeit es zuließ, ging ich ein Stück auf dieser Via Nova Richtung Vilshofen.

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Der Weg führt zuerst entlang des Labertals, dann über Weichs nach Haader. Unterwegs wurde ich gleich von einer Bäuerin angesprochen: „Sie gehen alleine diesen Via Nova?“ Man kennt den Weg also schon, dachte ich mir.  Bereits im Jahr 1814 begann in Haader die Wallfahrt. Damals wohl auch ein „neuer Weg“!

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Die Kirche des Hl. Apostels Paulus eignet sich vorzüglich für eine kleine Pilgerrast. Zum Gnadenbild Unserer Lieben Frau zu Haader bringen Menschen seit Generationen Dank, Sorgen und Bitten.

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Über Hadersbach führt der „Neue Weg“ nach Geiselhöring. Das kleine Städtchen verfügt über die Barockkirche St. Petrus und Erasmus. In meiner Schulklasse in Mallersdorf-Pfaffenberg waren einige Mitschüler aus Geiselhöring. Diese waren immer besonders stolz, dass sie in einer „Stadt“ lebten. Hier sollte auch für diesen Tag meine Pilgerschaft enden. Ich dürfte heute so 20 Kilometer gelaufen sein.

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An einem nächsten freien Samstag führte ich mein Reise fort. Von Geiselhöring ging es zuerst nach Haindling. Ein Ortsname, der vielen von der vom niederbayerischen Musiker Hans-Jürgen Buchner gegründeten Musikgruppe bekannt ist.

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Der Ort ist jedoch bereits seit dem 14. Jh. Wallfahrtsstätte. Die Doppelkirchenanlage Mariä Himmelfahrt ist wohl ein Muss für jeden Pilger. Für eine Pause ist es hier noch etwas zu früh.

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Auf ungeteerten Pfaden und Waldwegen geht es weiter bis Antenring wo ich mir den nächsten Pilgerstempel holte, denn für die Via Nova gibt es wie auf den Jakobswegen einen Pilgerausweis. Das Tagesziel Straubing kann man schon von Weitem sehen. Zuerst erreicht man den Ortsteil Alburg.

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Straubing mit seinem Stadtturm und der Jakobuskirche war der Abschluss dieses Pilgertages. Die Stadt mit ihren rund 45.000 Einwohnern bietet viele Besichtigungsmöglichkeiten, die mir nicht neu sind. Schließlich führte mich die Via Nova durch Niederbayern, das man als gebürtiger Landshuter wohl kennen sollte. Diese Etappe hatte eine Länge von ca. 20 Kilometern.

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Nicht immer gibt es Sonnenschein beim Pilgern. Bei meiner nächsten Etappe von Straubing nach Bogen musste ich vollständig auf die warmen Strahlen von oben verzichten. Pilgern lernte ich in Spanien, wo Sonnenschein das Normale ist. In Bayern bleibt dieses Wunschwetter oftmals aus.

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Ein interessantes Erlebnis ist gleich hinter Straubing die Wanderung auf dem Damm zwischen der Donau und der „Alten Donau“. Die Nase wurde von einem Gefühl von Weite erfasst. Der Geruch des Wassers hatte irgendwie Fernweh in mir ausgelöst. Hier erkannte ich den Vorteil dieser Via Nova. Man ist nicht an historische Wegverläufe gebunden. Hierdurch lassen sich wunderbare Wegführungen machen.

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Die Wallfahrtskirche von Sossau am Donauufer sowie der Via-Nova-Stein in Reibersdorf lagen nun auf meinem Pilgerweg. Vielleicht steht dieser Stein auch noch in 500 Jahren und erinnert an die Anfänge des Weges…

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Der Donaudamm und der Fluss begleiteten mich weiter bis zum Kloster Oberalteich mit seiner Hallenkirche der Spätrenaissance. Es war Sonntag und ich kam gerade richtig zum Gottesdienst. Hier war es auch Zeit für die Mittagspause. Bei besserem Wetter kann man den Bogenberg sehr deutlich sehen.

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Diese Etappe endet mit dem Aufstieg zum Bogenberg. Bogenberg ist der älteste Marienwallfahrtsort Bayerns. Die Legende verweist auf das Jahr 1104.  Bereits als Kind war ich schon öfter hier oben. Bei guten Wetter hat man einen herrlichen Blick auf Bogen, die Doanu und den Gäuboden. Es war die bisher kürzeste Etappe mit 17 Kilometern.

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Meine nächste Etappe fand bei strahlendem Sonnenschein statt. Ich startete am Fuß des Bogenbergs. Spätestens ab jetzt bewegt man sich dem Bayerischen Wald zu. Wandern im Bayerischen Wald war ich erstmals mit meiner Schulklasse. Damals endete die Bahn nicht in Bogen, sondern fuhr bis Hunderdorf. Von hier wanderten wir u. a. zum Kloster Windberg. Meine längste Wanderung im „Wald“, wie man in Niederbayern sagt, war der Gunthersteig von Niederalteich nach Dobra Voda in Tschechien.

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Degernbach hatte ich am späten Vormittag erreicht. Es war noch zu früh für die Mittagspause, aber für eine kleine ruhige Minute in der Kirche des Ortes war noch Zeit. Hinter Degernbach steigt der Weg nun merklich an.

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Er schlingt sich schließlich durch Wälder bis zum Kloster Windberg,  die Abtei des Prämonstratenserordens. Vermutlich hatte ich eine Wegmarkierung übersehen, denn ich ging wohl einen kleinen Umweg.  Hier am Koster war es nun wirklich Zeit für die Mittagspause. In Windberg gibt es den Windberger Pilgerweg, einen Pfad, den ich vor 6 Jahren einmal gegangen bin. Ich traf einen Pilger, der sich gerade auf diesem Weg befand. Hierdurch konnten wir ein wenig gemeinsam pilgern.

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Vom Kloster Windberg führt ein Kreuzweg nach Kreuzberg. Einer von Sr. Sophie bewohnten Einsiedelei. Von hier hat mein einen wunderschönen Ausblick auf den Gäuboden. Es folgt noch ein kleinerer Anstieg bis Oberbucha, dann geht es wieder talwärts.

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Dieses Mal war es einen Zweitagespilgerung für mich. Im Markt Schwarzach hatte ich mir ein Hotelzimmer gebucht. Bei Pilgerschaften im deutschsprachigen Raum habe ich den Luxus des Frühstückes schätzen gelernt. Dieses Desayuno in Spanien ist einfach nichts für einen Bayer, der einen langen Wandertag vor sich hat.

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Gut geschlafen und ausgiebig gefrühstückt, pilgerte ich am nächsten Tag zuerst zur Wallfahrtskirche von Weißenberg. Bergauf und bergab ging es schließlich bis Buchberg und Finsing. Auch hier hat man wieder eine wunderschöne Streckenführung markiert.

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Metten mit seiner Benediktinerabtei sollte mein Mittagsziel sein. Es war sehr heiß, doch Hitze bin ich als Spanienpilger gewohnt. Hinter Metten ging ich noch bis zum Bahnhof in Deggendorf um dies Doppeletappe zu beenden. Rund 42 Kilometer war diese Doppeletappe lang.

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Am nächsten Feiertag fuhr ich nach Deggendorf, um meine Tour fortzusetzen. Deggendorf, am Fuß des Bayerischen Waldes gelegen, hat heute rund 32.000 Einwohner. Grabkirche und Altes Rathaus sind zwei der Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es war gerade Landesgartenschau, wodurch ein reges Treiben auch in der Innenstadt zu erkennen war. Ein Pilgerausweis gibt es übrigens in der Touristen-Information, den Pilgerstempel in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

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Nächster wichtiger Halt für den Pilger ist die Wallfahrtskirche Mater dolorosa von Halbmeile. Das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes zeigt Maria am Fuß des Kreuzes, getroffen von sieben Schwertern.

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Am Donaudamm geht es bis zum Kloster Niederaltaich in Niederalteich! Das Kloster Niederaltaich mit seine ökumenischen Zielsetzung lebt mit zwei kirchlichen Traditionen (römisch und byzantinisch). Sowohl die Barockbasilika als auch die Byzantinsische Kirche in der ehemaligen Brauerei sind Pflicht-Besichtigungsprogramm.

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Entlang der Donau, die man auf der Höhe von Osterhofen überqueren muss, führt die Via Nova nach Pleinting, heute ein Stadtteil von Vilshofen. Ich besichtigte die Pfarrkirche St. Stephanus.

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Ziel dieser langen Etappe (weit über 40 km – es empfielt sich eine Zwischenübernachtung in Niederalteich) ist Vilshofen, wo die Vils in die Donau mündet. Stadtturm und Stadtpfarrkirche lohnen einer Besichtigung. Der Besuch der Abtei Schweiklberg, das Kloster der Benediktinerkongregation St. Ottilien war natürlich der Höhepunkt und zugleich „Teil-Abschluss“ dieser Pilgerschaft.

Hinter Vilshofen muss sich der Via-Nova-Pilger entscheiden. Geht er weiter nach St. Wolfgang in Österreich oder nach Přibram in Tschechien. Da ich in St. Wolfgang bereits zu Fuß war, werde ich meine Reise Richtung Tschechien fortsetzen. Hierüber werde ich natürlich auf dem Blog berichten.